Kapitel 21
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Madeleine reckte sich und wünschte sich, gleich wieder einschlafen zu können. Mit dem Erwachen kam die Erinnerung an die unangenehmen Dinge, die heute anstanden. Da war der Besuch im Palast, bei Baron Dimitros, den sie davon überzeugen mußte, daß er den Kuß annahm - obwohl sie das gar nicht wollte. Und vorher... ihre Gedanken kehrten zum Morgen zurück, als sie kurz vor Sonnenaufgang eine vom Weinen erschöpfte Francesca in ihrem Bett zurückgelassen hatte und in den Blauen Salon gegangen war. Dort hatte sie William angetroffen, der anscheinend auf sie gewartet hatte. Immerhin hatte er sich geduldet, bis sie sich sattgetrunken und die letzten Gefäße schlafen geschickt hatte. Sie hatte allerdings die ganze Zeit über gespürt, daß er irgendetwas wollte, und in der Tat hielt er sie auf, als sie den Salon verlassen wollte.

"Madeleine? Kann ich dich kurz sprechen?"

"Natürlich." Sie kam zu ihm. "Was ist denn? Du machst dir Sorgen."

Der Ventrue seufzte. "Stimmt", gab er zu. Er sah sie einen Moment lang an, als überlege er, wie er am besten ausdrücken sollte, was er zu sagen hatte. Dann gab er sich einen Ruck und entschied sich für den direkten Weg. "Du solltest mit Toranaga reden."

Sie hob eine Augenbraue. "Und worüber?"

Er schüttelte ärgerlich den Kopf. "Du weißt, worüber. Was passiert ist, steht zwischen euch, und das muß sich ändern."

Sie hob leicht die Schultern. "Es gibt nichts mehr dazu zu sagen", stellte sie fest.

"Oh doch, das gibt es", widersprach er. "Du bist wütend auf ihn, und er fühlt sich durch das, was du gesagt hast, in seiner Ehre beleidigt."

"Er hat Dinge ausgeplaudert, die preiszugeben er kein Recht hatte. Wie soll ich das nennen, wenn nicht Verrat? Im Übrigen hat die ganze Sache nichts mit dir zu tun. Das betrifft nur uns beide, und wir sind uns offenbar wenigstens soweit einig, daß alles gesagt ist."

"Natürlich hat es etwas mit mir zu tun. Ich stehe zwischen den Fronten, wenn ihr euch streitet. Oder meinetwegen auch nur anschweigt."

Sie legte den Kopf schräg und sah ihn fragend an. "Es hat keiner von uns auch nur versucht, dich da hineinzuziehen."

"Das ist auch nicht nötig." William spürte, wie er langsam die Geduld verlor. "Ich liebe dich, das weißt du. Und Toranaga ist mein bester Freund. Was glaubst du, wie ich mich fühle, wenn ich sehe, wie sich zwischen euch etwas ähnliches entwickelt, wie wir es schon mit Irian erlebt haben?" Er legte die Hand unter ihr Kinn, hob ihren Kopf an und sah ihr in die Augen. "Das Problem mit Irian", sagte er leise und eindringlich, "war, daß wir nicht mit ihr geredet haben, als wir bemerkt haben, daß etwas schiefläuft. Jetzt kann es dafür schon zu spät sein. Das Band zu ihr ist schwächer geworden, das merkst du selbst. Laß es mit Toranaga nicht soweit kommen."

"Ich verstehe deine Sorge", gab sie zu. "Und ich werde mit ihm reden, wenn es sein muß, um deinetwillen. Ich will nicht, daß du darunter leidest. Trotzdem... du verlangst von mir, daß ich mich bei Toranaga dafür entschuldige, daß ich die Dinge beim Namen genannt habe?"

Er seufzte. "Zugegeben, er hat über etwas geredet, das eigentlich deine Angelegenheit war. Aber er hat es getan, um uns zu helfen. Nachdem klar war, daß wir an das Schwert nicht ohne weiteres herankommen, wäre ich gegangen. Und du auch, denke ich. Toranaga wußte das. Er hat getan, was er glaubte, tun zu müssen, um uns zu diesem Schwert zu verhelfen, damit wir einen Fluch brechen konnten, der ihn selbst überhaupt nicht betraf." Er sah sie ernst an. "Und später hat er dich vor dem endgültigen Tod gerettet und ohne nachzudenken einen hohen Preis dafür gezahlt. Das ist es nicht gerade, was ich unter Verrat verstehe."

"Ich weiß, das Katana, das seine Unschuld hätte beweisen können. Aber das hast du geführt, nicht er."

"Das meine ich nicht. Sicher, der Verlust dieses Schwertes ist tragisch, aber wir haben wenigstens den Griff davon retten können, vielleicht genügt das als Beweis. Toranaga selbst hat ein viel größeres Opfer gebracht, und ich weiß genau, daß er es jederzeit wieder tun würde, wenn er die Wahl hätte." Ihr Blick und ihre Gefühle verrieten ihm, daß sie keine Ahnung hatte, wovon er sprach. "Sein Familienschwert."

"Gut, es war eine alte und sicher sehr kostbare Waffe, aber..."

Er ließ sie nicht ausreden. "Das ist nicht alles. In Japan werden solche Dinge etwas anders gesehen als bei uns. Hier ist ein Familienschwert ein Erbstück, vielleicht wertvoll, vielleicht nur von sentimentalem Wert. Dort hängt an diesen Klingen die Ehre der Familie. Dieses Schwert war für Toranaga gewissermaßen etwas heiliges. Es war seine Ehre und die seiner Familie, und du weißt, wie wichtig das für ihn ist."

"Du willst damit sagen", fragte sie, jetzt doch etwas erschüttert, "daß Toranaga die Ehre seiner Familie weggeworfen hat, um mich zu schützen?" Sie kannte den Samurai gut genug, um zu wissen, daß seine Ehre das wichtigste war, was er besaß. Sein Leben, oder vielmehr seine Existenz, war ihm deutlich weniger wert.

Er nickte. "Das hat er. Und wie ich bereits sagte, ich weiß, daß er es wieder tun würde."

Madeleine sah ihn lange an, dann nickte sie. "Gut, ich werde mit ihm reden. Heute Abend, ehe ich zum Palast gehe."

"Danke", sagte er nur, dann küßte er sie und ging schlafen.

 

Ein Klopfen an ihrer Zimmertür brachte Madeleines Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Francesca trat ein. "Guten Abend, Herrin." Madeleine musterte sie unauffällig. Ihr Ghoul schien sich zumindest äußerlich wieder gefangen zu haben, sie wirkte ausgeruht und ruhig. Die Lasombra entschied, daß es besser war, die Ereignisse vom Morgen nicht mehr anzusprechen. Wenn Francesca reden wollte, dann würde sie es tun, aber im Moment schien sie kein Bedürfnis danach zu haben.

"Gibt es etwas neues?" fragte sie und schlüpfte aus dem Bett.

Francesca hatte bereits ein Kleid für sie bereitgelegt und half ihr hinein. "Ja, aber wir wissen noch nicht so recht, was wir davon halten sollen. Giovanni, Antonio und William haben sich tagsüber in der Stadt umgesehen. Sie haben berichtet, daß auf den Straßen keine Stadtgardisten mehr zu sehen sind. Offenbar wurde die komplette Stadtwache in die Kasernen beordert. Die einzigen, die noch unterwegs sind, sind die Templer. Die patrouillieren inzwischen wieder in gewohnter Stärke, Sechsertrupps. Allerdings hat nicht jeder Trupp einen Priester dabei."

"Besorgniserregend", murmelte Madeleine. "Wir haben in den letzten Nächten gesehen, daß die Stadtgarde von Ventrue kontrolliert wird, und das bedeutet, von Caius. Wenn er alle Soldaten von den Straßen abzieht, könnte das heißen, daß sein Umsturzversuch kurz bevorsteht. Ich fürchte, uns läuft die Zeit davon."

"Wir werden die Sache weiter beobachten", erklärte Francesca. "Liegt noch etwas an?"

Madeleine nickte. "Ich muß zum Palast. Laß bitte in einer halben Stunde eine Kutsche bereitmachen. Und wenn die Lage in der Stadt sich so zugespitzt hat, ist es wohl auch günstiger, wenn ich bewaffneten Begleitschutz mitnehme. Kümmere dich bitte darum."

Francesca nickte. "Ich werde das nötige veranlassen", erklärte sie und ging zur Tür.

"Einen Augenblick noch." Francesca blieb stehen und drehte sich um, einen leicht fragenden Ausdruck im Gesicht. "Es gibt noch etwas, worum ich dich bitten möchte. Etwas, das mir sehr wichtig ist. Deswegen möchte ich, daß du dich selbst darum kümmerst." Madeleine atmete einmal tief durch. Überflüssig, aber es beruhigte. "Wie ich schon sagte, werde ich gleich zum Palast fahren. Ich werde mich dort mit Baron Alexis Dimitros treffen. Ich habe ihn als meinen Nachfolger ausgewählt."

"Oh", sagte Francesca nur.

"Ich werde den Baron bitten, mich hierher zu begleiten und auch den morgigen Tag hier zu verbringen", fuhr Madeleine fort. "Was ich ihm zu sagen habe, ist nur für seine Ohren bestimmt, und im Palast gibt es zu viele Lauscher. Ich werde ihm sagen, was ich bin, und ihm einige Dinge erzählen. Dinge, die er wissen muß, um eine Wahl zu treffen." Madeleine sah ihren Ghoul an. "Egal, wie dringend ich einen Nachfolger brauche, ich werde ihm den Kuß nicht gegen seinen Willen geben. Das bin ich mir selbst schuldig. Meine Bitte an dich ist nun, daß du dich tagsüber um ihn kümmerst, wenn ich es nicht selbst tun kann. Sei bei ihm und beantworte seine Fragen."

Francesca nickte nachdenklich. "Das werde ich selbstverständlich tun, aber..." Sie verstummte. Offensichtlich hatte sie Bedenken und war unentschlossen, ob sie diese äußern sollte.

"Du hast Einwände?" fragte Madeleine. Als Francesca zögerte, seufzte sie. "Francesca. Wenn du der Meinung bist, daß ich einen Fehler mache, dann sag mir das. Du bist keine einfache Dienerin, die nur den Mund hält und tut, was man ihr aufträgt. Jasager finde ich an jeder Ecke, die kann ich nicht gebrauchen. Also? Was gefällt dir nicht?"

Francesca gab sich sichtlich einen Ruck. "Ich frage mich nur gerade, ob es klug ist, ihn hierher ins Haus zu bringen. Ich weiß nicht allzuviel über das Haus, aber ich weiß, daß es gefährlich ist."

"Langfristig. Eine Nacht und ein Tag sollten nicht viel ausmachen. Er scheint einen starken Willen zu haben, das ist einer der Gründe, weswegen ich ihn ausgewählt habe. Und den Kuß werde ich ihm auf keinen Fall hier geben."

"Trotzdem..." Francesca sah ihre Herrin an, entschied dann, daß Offenheit wirklich erwünscht war, und fuhr fort: "Ihr habt gesehen, was mit Elena passiert ist."

Madeleine nickte düster. "Allerdings. Elena war aber schon angeschlagen, als sie hier ankam, und im Haus selbst ist irgendetwas mit ihr gemacht worden." Francesca wirkte nicht überzeugt. Madeleine überlegte kurz. "In Ordnung", sagte sie schließlich. "Ich glaube zwar nach wie vor nicht, daß eine wirkliche Gefahr besteht, aber ich gebe dir recht, man kann nie vorsichtig genug sein. Insbesondere bei einer Angelegenheit, die so wichtig ist wie diese. Würdest du alles nötige veranlassen?"

Francesca machte einen kleinen Knicks. "Ich werde Mog bitten, ein Quartier in einer Herberge zu organisieren. Kutsche und Begleitung werden in einer halben Stunde bereitstehen."

"Danke", sagte Madeleine und entließ sie. Die Lasombra warf einen Blick zu dem Ständer in der Ecke, über dem die japanische Rüstung hing, die sie von Toranaga bekommen hatte. Ich sollte sie zurückgeben, dachte sie, und erkannte etwas widerwillig, daß sie das Gespräch mit ihrem Bruder wohl wirklich nicht länger hinauszögern konnte. Sie konzentrierte sich kurz auf ihre Verbindung, um herauszufinden, wo er war. Zu ihrer Überraschung hatte sie leichte Schwierigkeiten, ihn zu finden. Er war in seinem Zimmer, stellte sie schließlich fest, aber gleichzeitig meilenweit weg. Offenbar war er tief in Meditation versunken. Ihn in diesem Zustand stören zu wollen, das wußte Madeleine, war völlig aussichtslos. Die Welt um ihn herum existierte nicht für ihn, wenn er sich so zurückgezogen hatte, und konnte ihn dann auch nicht erreichen. Madeleine war halb erleichtert, daß sie jetzt wohl doch nicht mit ihm reden konnte, andererseits hatte sie, wenn auch ungern, eingesehen, daß William recht hatte. Im Augenblick allerdings konnte sie in dieser Hinsicht nichts unternehmen. Die Lasombra verließ ihr Zimmer und suchte William von Baskerville auf. Sie fand ihn in der unteren Bibliothek, wo er in einen philosophischen Disput mit einigen der Gelehrten verwickelt war, die gewöhnlich im Blauen Salon zu finden waren.

"Nein, ich fürchte, das seht Ihr falsch. Platon meinte... oh, entschuldigt mich bitte einen Augenblick." Er kam ihr entgegen und lächelte.

"Hast du einen Moment Zeit?" fragte sie leise.

"Für dich immer, das weißt du", antwortete er und bot ihr den Arm.

Madeleine begleitete ihn zu seinem Zimmer. "Ich hatte noch keine Gelegenheit, dir zu erzählen, was letzte Nacht geschehen ist", erklärte sie. Dann setzte sie sich und erzählte von den Ereignissen der vergangenen Nacht, die für sie deutlich länger gedauert hatte als für ihn. Sie ließ nichts aus, auch nicht das, was ihnen in der Geisterwelt widerfahren war. Als sie die Konfrontation mit Kain erwähnte, wurde Baskervilles Gesicht aschfahl. Für ihn als ehemaligen Priester war etwas derartiges natürlich schwer zu verdauen. "Ich denke, Morpheus sind wir los", schloß sie ihren Bericht. "Der Fluch ist jedenfalls gebrochen."

Baskerville schüttelte langsam den Kopf. "Entschuldige, aber an dem, was ich gerade gehört habe, werde ich eine Weile zu kauen haben. Es ist eine Sache, in der Bibel von Kain zu lesen, aber wenn du mir erzählst, daß du ihn getroffen und mit ihm geredet hast..." Er schien es immer noch nicht wirklich fassen zu können.

"Naja, geredet..." Madeleine schien etwas peinlich berührt. "Sagen wir, ich habe mich mit ihm angelegt. Das würde ich wirklich nicht wiederholen wollen. Es ist ein mittleres Wunder, daß er mich nicht umgebracht hat."

William grinste schwach. "Ich kann mir andeutungsweise vorstellen, was du meinst. Ich habe mich einmal mit dem Papst angelegt."

Madeleine starrte ihn an. "Du hast was, bitte?"

Er hob die Schultern. "Während meiner Zeit als Inquisitor. Es ging um einen Prozeß. Für mich war sie einfach eine junge Frau, die sich gut mit Kräutern auskannte. Die Kirche sah in ihr eine Hexe. Um sie schuldig zu sprechen, war das Urteil eines Inquisitors nötig. Mein Urteil, da ich mit dem Fall betraut war. Ich habe mich geweigert, den Schuldspruch zu geben. Meinen Vorgesetzten hat das nicht gefallen, sie wollten ihren Sündenbock. Und ihr hat es nicht geholfen."

"Man hat einen anderen Inquisitor hinzugezogen?"

"Nein, das verbietet das Kirchenrecht." Sein Gesicht verdüsterte sich. "Man hat sie der Folter unterzogen, und natürlich hat sie gestanden. Ich habe sie nicht vor dem Scheiterhaufen retten können. Alles, was ich mit meiner Weigerung erreicht habe, war, daß sie sie vorher noch gefoltert haben."

Madeleine wußte für einen Moment nicht, was sie sagen sollte. Sie nahm ihn in die Arme. "Du hast getan, was dein Gewissen dir befohlen hat. Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, daß du sie nicht hättest verurteilen können, wenn du genau wußtest, daß sie unschuldig war. Daß du ihr nicht helfen konntest, war nicht deine Schuld. Und wenn ich mich recht erinnere, hast du die Konsequenzen gezogen. War das der Anlaß, nach dem du dein Amt als Inquisitor aufgegeben hast?"

"Sagen wir, es wurde mir... nahegelegt. Sehr nachdrücklich. " Er seufzte. "Trotzdem muß ich damit leben, daß sie das meinetwegen hat durchmachen müssen."

"Manchmal kann man sich nur zwischen zwei falschen Dingen entscheiden. Ohne, daß man die Chance hätte, das richtige zu tun." Madeleine stand auf. "So wie ich. Ich werde wahrscheinlich morgen jemanden töten und in die Hölle verdammen, obwohl er mir nie etwas getan hat. Eigentlich finde ich ihn sogar recht sympathisch, sonst hätte ich ihn nicht ausgesucht."

Er verstand. "Dein Nachfolger."

Sie nickte. "Ich gehe mich jetzt mit ihm treffen." Einem spontanen Gedanken folgend, fügte sie hinzu: "Möchtest du mich zum Palast begleiten?"

Er lächelte. "Ich müßte lügen, wenn ich nein sagte. Gib mir ein paar Minuten zum Umziehen."

 

Unten im Stall wartete die Kutsche. Außer Vittorio waren fünf von Markus' Templern anwesend. Ihr Hauptmann trat auf Madeleine zu und salutierte. "Madame, wir wurden für Euch als Begleitschutz abgestellt. Wenn Ihr gestattet, werden wir für Eure Sicherheit sorgen."

Madeleine nickte ihm zu. "Ich danke Euch, Hauptmann. Angesichts der Zustände in der Stadt scheint eine Eskorte angemessen." Er salutierte nochmals, dann wandte er sich seinen Leuten zu. Lord Baskerville öffnete die Tür der Kutsche, half Madeleine hinein und folgte ihr. Augenblicke später waren sie unterwegs zum Palast.

 

"Guten Abend, die Herrschaften." Der Diener an der Tür betrachtete sie prüfend. "Wen darf ich melden?"

Madeleine zog die Karte mit Baron Dimitros' Siegel hervor. "Madeleine de Neuville. Der Baron erwartet mich."

Ein Blick auf das Siegel genügte. "Selbstverständlich, Madame. Hier entlang, bitte."

"Warte bitte hier auf mich", sagte Madeleine leise zu William. "Es wird nicht lange dauern, hoffe ich." Dann folgte sie dem Diener nach drinnen. Er führte sie durch breite, prunkvoll ausgestattete Gänge. Der Stil der Einrichtung entsprach nicht ganz Madeleines Geschmack, alles wirkte recht überladen und zu offensichtlich kostbar. Die Lasombra ertappte sich dabei, wie sie das, was sie hier sah, mit dem Teil des Palastes verglich, in dem Prinz Michael hofzuhalten pflegte. Man merkte leider deutlich, daß hier kein Toreador am Werk gewesen war.

Die Gemächer des Barons befanden sich offenbar in der Nähe der kaiserlichen Räumlichkeiten. Madeleine sah einige Abteilungen von Soldaten in Uniformen der kaiserlichen Leibgarde, die selbst für ihr eher ungeübtes Auge den Eindruck von Elitekämpfern machten. An diesen wurde sie jedoch vorbeigeführt, und schließlich näherten sie sich einer Tür, die von zwei Männern der normalen Palastwache flankiert wurde. Der Diener marschierte zielstrebig darauf zu. "Madame wird von Baron Dimitros erwartet", erklärte er, ohne langsamer zu werden. Prompt standen die beiden Wachen stramm und öffneten die Tür. Madeleine schritt hocherhobenen Hauptes hinter dem Diener hindurch. An einer weiteren Tür hielt er schließlich an und klopfte, ehe er sie öffnete. "Herr, Madame de Neuville ist eingetroffen", hörte Madeleine ihn sagen.

"Ich lasse bitten", antwortete eine angenehme Stimme, die die Lasombra sofort erkannte.

Baron Dimitros erhob sich von einem Sessel und kam ihr entgegen, als sie eintrat. Der Diener zog sich unauffällig zurück. "Willkommen, Madame", sagte Dimitros und beugte sich über die Hand, die sie ihm reichte. "Es freut mich, daß Ihr die Zeit zu einem Gespräch gefunden habt." Er deutete auf einen kleinen Tisch, um den einige bequeme Sessel herumstanden. "Bitte, nehmt Platz. Kann ich Euch eine Erfrischung anbieten?"

"Danke, nein." Madeleine ließ sich in einem der Sessel nieder und sah sich dabei unauffällig im Raum um. Wie erwartet, gab es eine Reihe von Geheimtüren und dezent verborgenen Gucklöchern in den Wänden. Keiner der Horchposten schien im Moment besetzt zu sein. Trotzdem war es eindeutig zu riskant, hier über irgendetwas von Wichtigkeit zu reden.

Der Baron setzte sich ihr gegenüber und betrachtete sie. "Ich denke, es ist am besten, wenn ich gleich zum Punkt komme", erklärte er. "Eure Vorstellung gestern Abend hat mich durchaus beeindruckt. Es würde mich interessieren, wie Ihr es geschafft habt, die Prinzessin zu erkennen."

Madeleine hob die Schultern. "Ich habe gute Augen."

Er lächelte. "Sicher. Ich gestehe, Ihr macht mich neugierig. Eurem Namen nach stammt Ihr aus dem fränkischen Reich?" Sie nickte bestätigend. "Sehr ungewöhnlich", fand er. "Darf ich fragen, was Euch nach Konstantinopel führt?"

"Nun, so ungewöhnlich ist das auch nicht", meinte sie. "Spätestens seit den Kreuzzügen sind Franken kein so seltener Anblick auf Konstantinopels Straßen mehr."

"Das ist richtig", gab er zu. "Fränkische Damen allerdings schon."

"Ich verstehe. Sagen wir, ich befinde mich auf der Durchreise. Ich werde die Stadt vermutlich in naher Zukunft wieder verlassen."

"Das ist bedauerlich. Ich hatte nämlich vor, Euch ein Angebot zu machen." Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und legte die Fingerspitzen gegeneinander. "Wie Ihr wißt, ist es meine Aufgabe, für die Sicherheit der Prinzessin zu sorgen. Leider befindet sie sich zur Zeit in einem, wie soll ich sagen, etwas diffizilen Alter und steht meinen Bemühungen nicht besonders kooperativ gegenüber. Und es gibt Situationen, in denen ich diese Aufgabe nicht so effektiv ausüben kann, wie beispielsweise Ihr das könntet." Madeleine erwiderte seinen Blick unbewegt und ließ ihn weitersprechen. Allmählich dämmerte ihr, worauf die Sache hinauslief, und sie wußte die Ironie dieser Situation durchaus zu würdigen. "Natürlich müßte ich Euch vor einer endgültigen Entscheidung besser kennenlernen", fuhr er fort. "Grundsätzlich jedoch möchte ich Euch eine sehr einflußreiche Stellung bei Hofe anbieten, nämlich die der Gesellschafterin der Prinzessin."

Madeleine ließ sich nichts anmerken. Der Baron würde noch früh genug merken, daß er von falschen Voraussetzungen ausging. Nicht er war derjenige, der ein Angebot zu machen hatte. Sie nickte langsam. "Und de facto würde ich Ihrer Hoheit natürlich nicht nur Gesellschaft leisten, sondern in erster Linie ein wachsames Auge auf sie haben."

"Ich sehe, Ihr versteht mich", stellte er zufrieden fest. "Natürlich wäre eine derartige Position mit erheblichem Ansehen verbunden. Wir befinden uns immerhin am kaiserlichen Hof."

Er glaubte tatsächlich, sie damit ködern zu können. Nun, im Prinzip würde sie später auch nichts anderes probieren. "Wie Ihr schon sagtet", bemerkte sie, "Ihr solltet mich vorher ein wenig besser kennenlernen. Es gibt... einige Dinge, die Ihr wissen solltet. Ich möchte Euch um etwas bitten."

"Nämlich?"

"Begleitet mich. An einen Ort, wo wir uns ungestört und vor allem unbeobachtet unterhalten können."

Er hob eine Augenbraue. "Und Ihr denkt, meine privaten Gemächer erfüllen diese Bedingungen nicht?"

"Möglicherweise nicht", sagte sie ruhig.

"Ihr scheint kein großes Vertrauen in meine Sicherheitsmaßnahmen zu haben. Meine Wachen sind zuverlässig."

"Das bezweifle ich gar nicht. Aber es ist sehr gut möglich, daß es Lauscher gibt, die Euren Wachen entgehen. Was nicht bedeutet, daß ich Eure Männer für unfähig halte, das tue ich nicht."

"Und wie kommt Ihr dann darauf", wollte er wissen, "daß sie nicht in der Lage sein könnten, uns ungebetene Gäste vom Hals zu halten?"

"Erfahrung", sagte sie achselzuckend. "Wie gesagt, ich bitte Euch lediglich, mich zu begleiten. Wenn ihr nicht wollt, ist das kein Problem, allerdings wäre dann die Angelegenheit erledigt."

Er musterte sie lange, dann erhob er sich. "Also gut. Wie lange soll der Ausflug dauern?"

"Bis morgen bei Sonnenuntergang. Ihr habt mein Wort, daß wir die Stadt nicht verlassen. Für Eure Sicherheit garantiere ich."

Sie konnte sehen, wie es in ihm arbeitete. "Ihr verlangt viel", sagte er schließlich. "Ich bin üblicherweise sehr beschäftigt, und morgen habe ich einige Termine. Aber ich denke, das läßt sich arrangieren." Er gab sich einen Ruck. "In Ordnung. Ich werde Euch begleiten. Gebt mir eine halbe Stunde, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen." Als sie zustimmend den Kopf neigte, rief er nach einem Diener. "Geleite Madame in den Salon, sie wird dort auf mich warten. Und dann komm gleich wieder her, es gibt einiges zu tun."

 

Ein leises Klopfen erklang an Williams Tür, gerade als er versuchte, den letzten Rest Schlaf abzuschütteln. Giovanni trat ein. "Guten Abend, Sir." Der Ghoul verneigte sich und lieferte seinen Bericht ab. Obwohl er sich tadellos anstellte, ertappte William sich dabei, wie er James vermißte. Daran würde er sich erst noch gewöhnen müssen.

Schließlich kam Giovanni zum Ende und wartete auf weitere Anweisungen. William nahm sich sein Frühstück von ihm und sagte dann: "Richte bitte Lady Elena aus, daß ich sie in der oberen Bibliothek sprechen will." Giovanni machte einen Diener und verzog sich. William seufzte. Das Gespräch mit Elena war nötig, wenn auch unerfreulich. Er hatte es schon seit einigen Nächten immer wieder aufgeschoben, und heute, wo Madeleine außer Haus war, war die beste Gelegenheit. William zog sich an, dann begab er sich zur Bibliothek.

Er hatte kaum ein paar Minuten gewartet, als die Tür aufging und Elena hereinrauschte. Sie sah hinreißend aus, wie immer. "Du hast mich gerufen, Liebster?" fragte sie und sank in einen tiefen Knicks.

William spürte, wie sich die Überreste seines Magens verkrampften. "Ja, ich muß mit dir reden. Steh auf." Sie erhob sich und sah ihn an. In ihrem Blick lag etwas von dem, was sie früher als Sterbliche für ihn empfunden hatte, aber jetzt, das wußte er, war es nur sein Blut, das sie so fühlen ließ. Die Elena, die ihn wirklich geliebt hatte, war tot, und das war genau der Grund, weshalb dieses Gespräch stattfinden mußte. "Ich werde Konstantinopel bald verlassen", sagte er schließlich.

"Das betrübt mich", sagte sie ernsthaft. "Aber Wege trennen sich."

Er nickte. "Das tun sie. Und unsere Wege trennen sich hier, so wie es dein Wunsch war." Es verärgerte ihn ein wenig, daß er es nicht fertigbrachte, das auszusprechen, was er eigentlich sagen wollte.

Sie hob die Schultern. "Zeit ist für unseresgleichen nicht von Bedeutung. Wir werden uns wiedersehen, auch wenn es ein paar Jahrhunderte dauert. Und unsere Liebe wird diese Zeit überdauern."

Natürlich glaubte sie das wirklich. William war sich allerdings sehr wohl der Tatsache bewußt, daß der Zwang seiner vitae nachlassen und keinesfalls Jahrhunderte überdauern würde. "Das kann man nicht wissen. Die Dinge haben sich sehr grundlegend geändert. Du hast dich verändert. Du bist nicht mehr meine Frau. Du bist mein Kind." Jetzt war es heraus.

Elena schien unbeeindruckt. "Das ist richtig. Man hat uns damals verheiratet, die Kirche hat uns zu Mann und Frau erklärt, aber das sind Dinge, an die Sterbliche sich klammern. Für uns ist das nicht mehr wichtig."

"Es ist gut, daß du das so siehst", sagte er und streckte die Hand aus. "Ich möchte deinen... meinen Siegelring zurückhaben."

Jetzt schien sie doch etwas betroffen. Sie zog den Ring vom Finger und reichte ihn ihm. "Heißt das", fragte sie leise, "daß ich auf Tintagel nicht mehr willkommen sein werde?"

"Du wirst dort immer willkommen sein", antwortete er und steckte den Ring in die Tasche. "Als meine Tochter."

"Gut", sagte sie. "Dann werden wir uns sicher dort wiedersehen."

"Nicht in naher Zukunft", erinnerte er sie. "Dein Platz ist jetzt hier, und du hast eine Aufgabe, die dich vorerst hier festhalten wird." Er konnte förmlich sehen, wie ihre Gedanken arbeiteten. Elena hatte von dem, was sich zwischen ihm und Madeleine in den letzten Nächten abgespielt hatte, wahrscheinlich nicht wirklich etwas mitbekommen. Dumm war sie allerdings nicht. Es würde nicht lange dauern, bis ihr aufging, daß seine bevorstehende Abreise aus der Stadt nicht der einzige Grund war, weswegen er die Verhältnisse geklärt sehen wollte.

Für den Moment schien sie diese Gedanken jedoch beiseitezuschieben. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und lächelte. "Hast du schon gefrühstückt?" fragte sie und hob die Hand an ihren Hals.

Er nickte. Von Elena zu trinken, wäre das Letzte gewesen, was ihm in den Sinn gekommen wäre. Umgekehrt allerdings... "Danke, ich bin satt. Möchtest du etwas trinken?"

"Gerne", hauchte sie und glitt in seine Arme. Als sie zubiß, spürte er förmlich, wie sie für einen Moment überrascht war. Natürlich, sie wußte ja nichts von Kains Geschenk. Als sie das letzte Mal von ihm getrunken hatte, war sein Blut noch dünner gewesen. Das, was er an Macht gewonnen hatte, schlug sich natürlich auch im Geschmack seiner vitae nieder, und der schien Elena gerade zu überwältigen.

"Genug", sagte er, nachdem sie ein paar Schlucke getrunken hatte. Sie hörte ihn nicht und fuhr fort, zu trinken. "Ich sagte, genug!" Sie ignorierte ihn, und allmählich spürte William, wie es gefährlich wurde. "Genug!" Er holte aus und schleuderte sie mit einer kraftvollen Bewegung von sich. Ein scharfer Schmerz durchfuhr ihn, als ihre Zähne aus seinem Hals gerissen wurden und dabei tiefe Wunden in sein Fleisch schnitten.

Elena flog einige Meter durch den Raum und krachte gegen eines der Bücherregale. Besorgt rappelte sie sich hoch und sah ihn an. "Habe ich dir wehgetan?" fragte sie schuldbewußt, eilte an seine Seite und leckte über die Wunde. Die Bißmale selbst schlossen sich, die beiden Risse jedoch blieben. "Es tut mir leid, das wollte ich nicht", sagte sie traurig.

"Schon gut, ich bin in Ordnung." Seine vitae tat ihr Werk, die Wunden heilten vor ihren Augen. "Du solltest gehen", sagte er dann. "Wir sehen uns nachher noch." Er zwang sich zu einem Lächeln. Sie erwiderte es, knickste noch einmal, und verschwand.

 

Baron Dimitros trat auf den Hof und schluckte. Madeleines Leibwache machte sichtlich Eindruck auf ihn. Verständlicherweise, immerhin war es selbst für eine Dame von Adel eher ungewöhnlich, von einem Trupp Templer begleitet zu werden. Ganz abgesehen von William von Baskerville, dem man den englischen Lord schon von weitem ansah. Madeleine machte die beiden bekannt und ließ sich von William in die Kutsche helfen. Als sie losgefahren waren, konzentrierte sie sich auf seine Gedanken. William, der Baron fürchtet um seine Sicherheit. Er hat zwei Leute abgestellt, die uns beschatten sollen, und einen weiteren, der die Beobachter beobachtet. Natürlich weiß er nicht, daß ich davon weiß, und ich möchte seine Gefühle nicht verletzen. Ihre Stimme in seinem Kopf klang amüsiert. Würdest du dich mit deiner gewohnten Diskretion der drei annehmen, wenn wir angekommen sind? Es geht mir insbesondere um den dritten Mann, die anderen beiden sind wohl hauptsächlich Tarnung. Sie las Zustimmung in seinen Gedanken.

Sie waren etwa eine Viertelstunde gefahren, als die Kutsche anhielt. Stimmen erklangen von draußen, dann war zu spüren, wie jemand auf den Kutschbock stieg. Gleich darauf setzte sich die Kutsche wieder in Bewegung. Ein kleines Fenster in der vorderen Wand wurde aufgeschoben und Francescas Gesicht erschien. Sie nickte Madeleine zu, dann schloß sich das Fenster wieder.

Schließlich kamen sie endgültig zum Stehen. Als Madeleine ausstieg, erkannte sie sofort, wo sie waren: sie standen vor der Herberge, in der sie die ersten Nächte nach ihrer Ankunft in der Stadt gewohnt hatten. Francesca war bereits nach drinnen geeilt und erwartete sie mit den Schlüsseln in der Hand am Fuß der Treppe. William blieb kommentarlos draußen zurück, und auch Vittorio verschwand unauffällig. Die Kutsche und die Templer machten sich auf den Rückweg zum Haus.

Francesca führte Madeleine und den Baron ins Obergeschoß, in die selben Räumlichkeiten, die sie damals bewohnt hatten. Auf dem Flur bemerkte Madeleine sofort eine Stelle, an der die Mauer vor kurzem erneuert und frisch verputzt worden war. Sie erinnerte sich noch sehr genau daran, wie William unter der Kontrolle seines Tiers an dieser Stelle durch die Wand gebrochen war... Energisch schob sie den Gedanken beiseite. Jetzt war wirklich nicht der geeignete Moment, sich in Erinnerungen zu verlieren.

Francesca öffnete die Tür und ließ die beiden eintreten. "Ich hoffe, es ist alles zu Eurer Zufriedenheit", sagte sie.

Madeleine nickte und wandte sich Dimitros zu. "Baron, ich möchte Euch Francesca Salieri vorstellen, meine Vertraute. Bei Tag mein Auge, mein Ohr und meine Hand. Francesca, dies ist Baron Alexis Dimitros."

Bei den Worten "bei Tag" schaute er etwas verwundert, hatte sich aber sofort wieder unter Kontrolle. "Sehr erfreut", sagte er mit einer leichten Verbeugung in Francescas Richtung, was diese mit einem Knicks erwiderte. Er fiel angemessen, aber etwas weniger tief als gewöhnlich aus; Francesca hatte sehr wohl registriert, daß Madeleine sie als ihre Vertraute und nicht als ihre Dienerin vorgestellt hatte und verhielt sich entsprechend: respektvoll, aber nicht unterwürfig.

"Es ist dafür gesorgt, daß Ihr hier ungestört seid", sagte sie. "Ich werde mich ins Nebenzimmer zurückziehen, wenn Ihr etwas benötigt, ruft nach mir." Madeleine nickte ihr zu, und Francesca verließ das Wohnzimmer.

Madeleine deutete einladend auf einen Sessel. "Setzt Euch, Baron." Er tat es, und sie ließ sich ihm gegenüber nieder. Eine Weile musterte sie ihn schweigend. Dann sagte sie: "Ihr habt mich vorhin danach gefragt, wie ich es fertiggebracht habe, die Prinzessin von ihren Ebenbildern zu unterscheiden, obwohl ich sie vor dem gestrigen Abend nie gesehen habe."

Er nickte. "Ich kenne Anna Komnena seit ihrer Geburt, und selbst mir fällt es manchmal schwer, sie auf den ersten Blick zu erkennen."

"Erlaubt mir, Eure Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten. Haltet Ihr mich für einen Menschen?"

Damit hatte er ganz offensichtlich nicht gerechnet. Verblüfft sah er sie an. "Ich gebe zu, daß mich diese Frage etwas verwirrt. Was meint Ihr damit?"

"Seht mich an", sagte sie, und ließ ihre Tarnung fallen. Mit einem Mal überzog wächserne Blässe ihre Haut. Tiefe Schatten lagen unter ihren Augen, und als sie den Mund leicht öffnete, schimmerten die nadelscharfen Spitzen ihrer Reißzähne zwischen ihren bleichen Lippen hindurch. "Seht mich an", wiederholte sie, und ihre Stimme hatte einen fast hypnotischen Klang. "Und dann sagt mir, ob Ihr mich immer noch für einen Menschen haltet."

Alexis' Gesicht war kalkweiß. Er war in seinem Sessel zurückgewichen und starrte sie aus schreckgeweiteten Augen an. Allerdings machte er keinerlei Anstalten, aufzuspringen und zu fliehen. Er öffnete den Mund, brachte keinen Ton heraus, und schluckte. Langsam schüttelte er den Kopf. "Nein", sagte er schließlich. "Ihr seid kein Mensch. Was seid Ihr?"

"Um das zu erfahren, seid Ihr heute Abend hier." Ohne es zu wissen, hatte er soeben den ersten Test bestanden. Weitere würden folgen. Um ihm Gelegenheit zu geben, sich etwas zu beruhigen, legte Madeleine ihre Tarnung wieder an. Die Reißzähne verschwanden, ihre Haut nahm einen zwar immer noch blassen, aber immerhin gesunden Farbton an und auch ihre Augen sahen wieder normal aus. Sie machte sich sogar die Mühe, zu atmen. "Ich nehme an, Ihr habt schon einiges von meinesgleichen gehört."

Er nickte schwach. "Wesen der Nacht... Vampire. Ich möchte Euch nicht zu nahe treten, aber ich hatte diese Geschichten bisher für Ammenmärchen gehalten."

"Ihr tretet mir nicht zu nahe. Genau so wollen wir es haben. Es macht das Jagen soviel einfacher, wenn die Beute nicht weiß, daß sie Beute ist." Sie gab ihrer Stimme bewußt einen kühlen Klang.

Er fand seine Fassung erstaunlich schnell wieder und musterte sie nachdenklich. "Warum?" fragte er schließlich. "Warum habt Ihr mich hierhergebracht und erzählt mir diese Dinge? Was wollt Ihr von mir?"

Madeleine seufzte. "Alles, fürchte ich. Seht Ihr, wir haben etwas gemeinsam. Genau wie Ihr habe ich eine Aufgabe. Wie Ihr habe ich etwas zu beschützen. Allerdings werde ich demnächst die Stadt verlassen. Das, was ich beschütze, ist jedoch so wichtig, daß ein Wächter da sein muß. Deswegen brauche ich, ehe ich gehe, einen Nachfolger."

Sie sah, wie Verstehen in ihm aufkeimte. Etwas fassungslos schüttelte er den Kopf. "Man könnte darüber lachen", murmelte er. "Und ich dachte, ich würde Euch eine Anstellung anbieten." Er sah sie an. "Mit anderen Worten, Ihr wollt, daß ich so werde wie Ihr."

"Das ist mein Angebot an Euch, ja. Ich habe Euch hierhergebracht, damit ich Euch in Ruhe erklären kann, worauf Ihr Euch damit einlaßt. Es ist eine sehr schwere Entscheidung, die ich von Euch verlange, und es ist mir wichtig, daß Ihr sie bewußt trefft, soweit das überhaupt möglich ist. Leider haben wir nicht soviel Zeit, wie wir eigentlich bräuchten. Trotzdem werde ich Euch sagen, was ich kann, und Eure Fragen beantworten."

Sie sah, wie er sich bemühte, seine Gedanken in die gewohnt logischen Bahnen zu lenken. "Meine Fragen... nun gut. Ich habe bisher nicht viel über Wesen Eurer Art gehört, und ich würde vermuten, daß davon auch noch das meiste falsch ist. Fangen wir vorne an. Ihr ernährt Euch tatsächlich von Blut?"

"Das tun wir. Von menschlichem Blut, vorzugsweise. Die meisten von uns können auch von Tierblut leben, oder vielmehr, überleben, aber es ist deutlich weniger nahrhaft. Vom Geschmack ganz zu schweigen."

"Ihr seid empfindlich gegen Sonnenlicht? Kreuze? Knoblauch? Ihr könnt keine Kirchen betreten?"

Sie lächelte humorlos. "Richtig, was das Sonnenlicht angeht. Vergeßt den Rest. Das schönste Kreuz ist wirkungslos, wenn sein Träger keinen echten Glauben hat. Was Kirchen betrifft - ich finde die Kathedrale beim Palast überaus ästhetisch, ich war bereits einige Male dort. Und Knoblauch..." Sie hob die Schultern. "Seit ich nicht mehr atmen muß, stört mich auch der Geruch nicht mehr." Sie fand seine methodische Vorgehensweise recht interessant. "Wirklicher Glaube allerdings schützt vor uns. Zum Glück ist der recht selten. Und man sollte nicht den Fehler machen, Kirchen mit heiligen Stätten gleichzusetzen. Es gibt Orte, die keine Kirchen sind, aber trotzdem heilig. Ich weiß nicht, ob Ihr von einem Ort namens Stonehenge in England gehört habt, einer sehr alten Stätte echten Glaubens. Derartige Orte können wir tatsächlich nicht betreten."

Er schwieg einen Moment nachdenklich. "Ihr verfügt anscheinend über schärfere Sinne als ein Mensch", sagte er dann. "Das würde erklären, wie Ihr die Prinzessin erkannt habt." Als sie zustimmend nickte, fuhr er fort: "Jetzt verstehe ich auch, warum Ihr im Palast Lauscher vermutet habt, die meine Wachen nicht entdecken würden. Übernatürliche Lauscher, so wie Euch."

Sie nickte erneut. "Wenn ich es gewollt hätte, hätte ich Euch aus dem Palast entführen oder Euch dort umbringen können, ohne daß Eure Wachen etwas bemerkt hätten. Und es gibt in dieser Stadt durchaus andere wie mich, deren Blut mächtiger ist als meins."

Er runzelte die Stirn. "Deren Blut mächtiger ist? Wie meint Ihr das?"

Madeleine lehnte sich zurück. "Wißt Ihr etwas über unsere Herkunft?" fragte sie. Als er den Kopf schüttelte, fuhr sie fort: "Der erste von uns war Kain. Der erste Mörder, von Gott verflucht. Er schuf andere wie sich. Diese gaben den Fluch weiter, erzeugten Nachkommen, die ihrerseits weitere erschufen, und so fort. Mit jeder Generation, die man sich vom Ursprung entfernt, wird das Blut dünner, schwächer, seine Macht geringer. Aber wir alle sind Kains Kinder, verdammt wie er, und wir tragen seinen Fluch."

Er brauchte einen Moment, um das zu verarbeiten. "Ihr meint das ernst", stellte er schließlich fest. "Ihr redet von Kain, von dem die Bibel erzählt."

"Ich meine das völlig ernst", erwiderte sie ruhig. Sie hielt es nicht für angebracht, zu erwähnen, daß sie Kain, oder zumindest einem Teil von ihm, letzte Nacht selbst gegenübergestanden hatte.

"Dieser Fluch", sagte er nachdenklich. "Worin besteht er?"

"Ihr habt wahrscheinlich schon gehört, daß wir nicht sterben können. Das ist richtig, denn genaugenommen sind wir bereits tot. Wir altern nicht, und wir sterben nicht, auch wenn man uns durchaus vernichten kann. Wenn das allerdings geschieht, wenn einer von uns vernichtet wird, gehört seine Seele der Hölle." Sie sah ihn ernst an. "Wie ich schon sagte, wir sind verdammt. Für uns gibt es keine Hoffnung, auch wenn manche das Gegenteil behaupten." Sie schwieg einen Moment, ehe sie fortfuhr. "Ein anderer, viel konkreterer Aspekt des Fluchs ist das Tier."

Er schien verwirrt. "Das Tier?"

Sie nickte. "Jeder von uns trägt es in sich, seit dem Moment, in dem er zu Kains Kind wurde. Das Tier macht Monster aus uns. Es versucht, uns zu beherrschen und uns zu Dingen zu treiben, die wir freiwillig nie tun würden." Sie dachte an Morpheus, den sie zwar nicht als Sterblichen gekannt hatte, der aber im Laufe ihrer Bekanntschaft mehrmals hatte durchblicken lassen, daß er seine Neigung zu unnötigen Grausamkeiten nicht erst mit dem Kuß bekommen hatte. "Jedenfalls die meisten von uns nicht", schränkte sie ein. "Wenn man satt ist, kann man es einigermaßen kontrollieren, aber der Hunger macht es stärker. Und ganz hat man es nie im Griff. Es ist ein dauernder Kampf, jede Minute jeder einzelnen Nacht, für immer."

Sie beobachtete ihn, während er versuchte, zu begreifen, was er gerade gehört hatte. Immerhin, und das sprach für ihn, nahm er ihre Worte offensichtlich ernst. Schließlich schüttelte er den Kopf. "Es wird eine Weile dauern, bis das wirklich zu meinem Verstand durchgedrungen ist", gestand er. "Der Fluch und was er bedeutet auf der einen Seite, und Eure Macht auf der anderen..."

"Ihr habt noch nichts von dem gesehen, wozu unser Blut fähig ist", erklärte sie. "Ein Beispiel... Ihr habt Francesca kennengelernt. Sie ist das, was wir einen Ghoul nennen. Ein Mensch, wenn auch nicht mehr sterblich, seit sie von meiner vitae gekostet hat. Dadurch hat sie einen winzigen Teil meiner Macht bekommen - und sie ist von mir abhängig."

Er starrte sie an. "Meint Ihr das wörtlich?" vergewisserte er sich. "Sie hat von Eurem Blut getrunken?"

Statt einer Antwort hob sie den linken Arm und zog die Fingernägel der rechten Hand quer darüber. Ein tiefer Schnitt öffnete sich, fast bis auf den Knochen. Alexis zuckte unwillkürlich zusammen. Ein Mensch wäre an einer solchen Wunde innerhalb von Minuten verblutet. Aus dem Schnitt in Madeleines Arm quoll ein einzelner kleiner Blutstropfen, tiefrot und glänzend. Dann begann sich die Wunde vor seinen Augen zu schließen. Augenblicke später war sie spurlos verschwunden. Madeleine hob den Arm an die Lippen und leckte den Tropfen ab. "Ich meine das wörtlich", bestätigte sie. "Das, was Ihr gerade gesehen habt, kann Francesca auch. Ein Ghoul altert nicht, er wird praktisch nicht krank, und wenn er verletzt wird... nun, Ihr habt es gesehen. Das funktioniert, solange mein Blut in ihrem Körper ist. Wenn es verbraucht ist, ist sie eine Sterbliche wie alle anderen auch. Und sollte ich sterben, ist das auch ihr Tod."

Jetzt war er verwirrt. "Aber Ihr sagtet doch, sie wäre ein Mensch?"

"Oh, das ist sie. Sie ernährt sich nicht von meiner vitae, sie ißt und trinkt wie Ihr auch. Sie lebt. Und sie trägt nicht das Tier in sich." Sie konnte förmlich sehen, wie sein Verstand arbeitete, die Dinge sortierte, die er gehört hatte, und sie dann beiseitelegte, um sich später in Ruhe damit zu beschäftigen. In der Tat, ein sehr methodischer Mann. Sie beschloß, ihm noch ein wenig mehr Stoff zum Nachdenken zu geben. Die Zeit drängte, und bisher hielt er sich sehr gut. "Diese Fähigkeit, mit Hilfe unserer vitae Menschen zu beherrschen, ist etwas, das jeder von uns besitzt", fuhr sie fort. "Andere Dinge sind weniger verbreitet. Ihr müßt wissen, es gibt unter Kains Kindern verschiedene Blutlinien, verschiedene Familien, in denen sich die Macht unterschiedlich manifestiert, in Stärken und Schwächen. Ich gehöre beispielsweise dem Clan Lasombra an. Wir beherrschen die Schatten." Mit diesen Worten griff sie nach ihrem eigenen Schatten und begann ihn zu formen. Er folgte ihrem Befehl willig und floß an ihr hoch und um sie herum, wie ein lebendiger Mantel, der von einem imaginären Wind bewegt wurde. Alexis' Augen weiteten sich vor Entsetzen. Madeleine war sich sehr wohl bewußt, daß sie ihm hier einen harten Brocken zu schlucken gab. Sie hatte oft genug gesehen, welchen Eindruck ein derartig verformter Schatten auf Sterbliche machte; die meisten Menschen verfielen bei einem solchen Anblick in Panik und flohen. Sie sah ihn unbewegt an, während ihre Hände ihren Schatten aufnahmen, in fadengleiche Stränge teilten und diese woben, als wäre es Seide.

Aus Dimitros' Gesicht war jede Farbe gewichen. Langsam stand er auf und ging mit zitternden Knien zu einer Anrichte, auf der einige Flaschen und zwei gläserne Kelche standen. Mit fahrigen Bewegungen öffnete er eine Flasche, goß einen der Kelche randvoll und leerte ihn in einem Zug. Als er sich wieder umwandte, saß Madeleine wie vorher in ihrem Sessel und sah ihn an. Ihr Schatten lag auf dem Boden, wo er hingehörte, und sah aus, als hätte er nie etwas anderes getan. Dimitros füllte den Kelch erneut, diesmal nicht ganz so randvoll wie vorher, und kehrte zu seinem Sessel zurück. "Das war... beeindruckend", brachte er schließlich etwas mühsam hervor.

"Allerdings", bestätigte sie trocken. "Die meisten Leute wären spätestens jetzt schreiend aus diesem Zimmer geflohen."

Er starrte minutenlang in sein Glas, dann hob er den Blick. "Ihr habt mir Dinge gezeigt, die ich noch vor wenigen Stunden nicht für möglich gehalten hätte. Aber es würde mich interessieren, was Ihr darüber denkt. Was ist für Euch der größte Vorteil daran, so zu sein wie Ihr seid?"

Sie antwortete nicht sofort. "Es gibt keinen", sagte sie schließlich leise. "Als mein Erzeuger mich geschaffen hat, hatte ich keine Wahl. Wenn ich sie gehabt hätte, ich hätte das niemals angenommen. Ich wäre nie freiwillig zu einem Monster geworden."

Das schien er nicht erwartet zu haben. "Und worin seht Ihr den größten Nachteil Eures... Zustandes?"

Sie lachte bitter. "Ihr meint, abgesehen davon, daß ich..."

"Nicht abgesehen", unterbrach er sie. "Was ist für Euch der größte Nachteil?"

Sie sah ihm in die Augen. "Das Tier."

Er nickte langsam und schien in Gedanken zu versinken. Madeleine erhob sich. "Ich sollte Euch etwas Zeit zum Nachdenken geben. Wenn Ihr keine dringenden Fragen mehr habt, werde ich Euch jetzt verlassen. Francesca wird hierbleiben und sich um Euch kümmern. Wenn ihr noch etwas wissen wollt, wendet Euch an sie, sie wird Euch antworten. Ich werde morgen nach Sonnenuntergang wieder hier sein. Ich möchte Euch bitten, in der Zwischenzeit diese Räume nicht zu verlassen. Ich würde es vorziehen, Euch als meinen Gast zu betrachten, aber ich muß an meine Sicherheit denken. Was Ihr gerade erfahren habt, sollte nicht nach draußen gelangen."

"Eine Frage hätte ich noch", sagte er, als sie schon an der Tür war.

Sie blieb stehen und wandte sich um. "Ihr wollt wissen, was mit Euch passiert, wenn ihr mein Angebot ablehnt." Er nickte. "In diesem Fall werdet Ihr hier einschlafen, in Eurem Bett im Palast wieder aufwachen und Euch nicht an mich erinnern. Ich werde das, was heute Abend geschehen ist, aus Eurem Gedächtnis löschen." Sie sah ihm in die Augen. "Keine Sorge, ich werde Euch nicht töten, wenn Ihr das Angebot ablehnt. Ich werde Euch töten, wenn Ihr es annehmt." Damit verschwand sie.

 

William fand Giovannis Bericht bezüglich der Stadtwachen beunruhigend. Er hatte beschlossen, sich die Sache einmal selbst aus der Nähe anzusehen. Informationen aus erster Hand waren immer die besseren, und abgesehen davon hatte er nach dem Gespräch mit Elena das Bedürfnis, sich ein wenig draußen abzureagieren. Also griff er nach Schwert und Kettenhemd und machte sich auf den Weg zur nächstgelegenen Kaserne der Stadtgarde.

Unterwegs konnte er sich mit eigenen Augen davon überzeugen, daß Giovanni nicht übertrieben hatte. Es waren tatsächlich keine Stadtgardisten auf den Straßen zu sehen. Die einzigen, die noch für Ordnung sorgten, waren die Templer. Die allerdings waren dabei überaus effektiv. Meistens genügte allein der Anblick einer Patrouille, um Ruhe zu schaffen. Die Menschen hatten Angst vor ihnen, das war mehr als deutlich.

Schließlich erreichte der Ventrue eine der Kasernen. Gut versteckt kauerte er auf einem Dach im Schatten eines Vorsprungs und beobachtete. Das Auffälligste war eigentlich, daß es nichts zu sehen gab. Normalerweise hätte unten in der Kaserne Betrieb herrschen müssen. Es war nicht lange nach Sonnenuntergang, Patrouillen hätten zurückkehren und neue ausrücken, Wachen abgelöst werden müssen. Stattdessen: nichts. Der Kasernenhof lag verlassen. Das Tor war verschlossen, auf den Mauern nur einige Posten unterwegs. In den Gebäuden allerdings brannte Licht. Anscheinend hatte man die Soldaten drinnen zusammengezogen.

Plötzlich wurde William bewußt, daß jemand neben ihm stand. Er konnte niemanden sehen, aber das Gefühl war untrüglich. Instinktiv spannte er sich an, und seine Hand glitt zum Schwertgriff.

Langsam begann sich neben ihm eine Gestalt aus der Dunkelheit zu schälen. "Ihr solltet nichts unüberlegtes tun, mein junger Freund", warnte ihn eine knarrende Stimme. Ein Nosferatu. Klein, verwachsen, mit einem Gesicht, das aussah, als hätte jemand ein Nagelbrett darübergezogen, stand er neben dem kampfbereiten Ventrue und sah ungerührt zu ihm hoch.

William entspannte sich langsam. Die Anwesenheit des Nosferatu war keine wirkliche Überraschung. Der Clan bezog seine Existenzgrundlage aus Informationen, und wenn etwas derart ungewöhnliches in der Stadt vorging, konnte man sicher sein, daß die Nosferatu als erste davon wußten. Seinem Verhalten nach zu urteilen, war der Bursche nicht allein. Er stellte keine direkte Bedrohung dar, aber seine ganze Haltung brachte zum Ausdruck, daß es sehr unklug gewesen wäre, sich mit ihm anzulegen.

"Ihr wißt, was hier vor sich geht." Es war eher eine Feststellung als eine Frage.

Der Nosferatu hob die mißgestalteten Schultern. "Wir beobachten. Und es wäre besser für Euch, wenn Ihr uns dabei nicht im Weg wärt. Wenn Ihr Informationen wollt, kommt in die Kanalisation und zahlt den Preis."

William sah einen Moment lang zu ihm herunter, dann zuckte er die Achseln. "In Ordnung", sagte er nur und wandte sich zum Gehen. Es gab schließlich noch mehr Kasernen in der Stadt, und hier gab es ohnehin nichts zu sehen. Jedenfalls nicht mit seinen Möglichkeiten.

 

Eine Stunde später kam er wieder an der Villa an. Sein Streifzug hatte keine wirklich befriedigenden Ergebnisse erbracht. Er hatte noch drei weitere Kasernen aufgesucht, aber bei allen war das Bild das gleiche gewesen: verschlossene Tore, leergefegte Innenhöfe. Nosferatu hatte er keine mehr gesehen, aber er war überzeugt, daß die Kasernen allesamt unter Beobachtung standen.

Gerade, als er durch die Eingangshalle zur Treppe ging, spürte er, wie Madeleine sich dem Haus näherte. Einen Augenblick später öffnete sich die Tür, und die Lasombra trat ein.

Und? fragte er. Wie ist es gelaufen?

Er hält sich gut, antwortete sie. Ich habe es ihm nicht leicht gemacht, er mußte einiges schlucken. Aber er hat einen klaren Kopf behalten, und er scheint ernsthaft über die Sache nachzudenken. Ich habe ihn in Francescas Obhut gelassen, damit er sich seine Gedanken machen kann. Morgen Abend werde ich seine Entscheidung verlangen. Sie seufzte. "Und da es so aussieht", fuhr sie fort, "als hätten wir jetzt tatsächlich ausnahmsweise einmal ein paar Stunden wirklich Ruhe, werde ich das ausnutzen, etwas essen, und dann ins Bad hinuntergehen."

Er lächelte. "Das klingt verlockend", gab er zu. "Darf ich mitkommen?"

"Gerne", sagte sie und nahm seinen Arm.

 

Als William am nächsten Abend erwachte, saß Madeleine neben ihm auf seinem Bett. "Es wird Zeit", sagte sie leise. "Ich muß zur Herberge und hören, wie Alexis sich entscheidet."

Er nickte. "Möchtest du, daß ich dich begleite?" fragte er, obwohl er die Antwort schon spürte. Er stand auf und griff nach seinen Kleidern.

"Ja, das möchte ich", gab sie zu. "Wenn er annimmt, wird es schwierig für mich werden. Es würde... helfen, wenn du in der Nähe wärst."

Er wußte, was ein derartiges Eingeständnis sie kostete. Deswegen ging er nicht weiter darauf ein, sondern zog sich kommentarlos an.

Es klopfte. "Guten Abend, Sir", sagte Giovanni und trat ein. "Es gibt Neuigkeiten. Wir haben tagsüber die Beobachtung der Kasernen fortgesetzt, und wir glauben, zu wissen, was da vor sich geht." Der Ghoul wirkte beunruhigt. "Wir vermuten, daß die Stadtgardisten zu... Kämpfern gemacht werden. So wie Markus' Templer."

"Ghoule", murmelte Madeleine. "Schlechte Nachrichten." Sie hob den Kopf und sah Giovanni scharf an. "Davon hat Caterina nichts gesagt, als sie vorhin zum Bericht bei mir war."

Giovanni wurde rot. "Nun ja", wand er sich, "sie war nicht draußen und hat es nicht mit eigenen Augen gesehen. Vielleicht dachte sie, Ihr wolltet es lieber aus erster Hand hören." Es war klar, daß er versuchte, Caterina in Schutz zu nehmen.

"Das ändert nichts daran, daß sie mir in Abwesenheit von Francesca und William zu berichten hat, was draußen vor sich geht. Ich bin auf diese Informationen angewiesen und will sie vollständig haben, erste Hand oder nicht." Giovanni war klug genug, darauf nichts weiter zu sagen, und William entließ ihn mit einer Handbewegung. Madeleine holte tief Luft. "Gehen wir."

 

Als die Kutsche vor der Herberge vorfuhr, bemerkte Madeleine Lord Baskerville im Schatten einer Seitengasse. Sie konzentrierte sich und sprach ihn lautlos an. Was machen die Beobachter?

Wie du schon sagtest, dachte er, zwei davon sind harmlos. Der dritte allerdings ist ein Ghoul.

Madeleine fluchte leise. Kannst du dich um ihn kümmern?

Schon geschehen. Er sitzt im Keller der Herberge. Einer der Templer bewacht ihn.

Danke, antwortete sie und unterbrach die Verbindung. "Unser Freund hat einen Ghoul in seinen Diensten", sagte sie leise zu William. "Ich gehe davon aus, daß er nicht wußte, daß sein Agent kein normaler Mensch ist. William hat den Kerl sichergestellt und im Keller eingeschlossen. Würdest du ihn dir ansehen und herausfinden, wem er gehört?"

"Natürlich", sagte er. Er stieg aus der Kutsche, half ihr heraus, und sie betraten die Herberge. Während William nach unten in den Keller eilte, stieg Madeleine langsam die Stufen zur Suite hinauf. Oben angekommen, hielt sie an und tastete nach seinem Geist.

Hast du etwas herausgefunden?

Ja, antwortete er grimmig. Der Bursche gehört Shabah. Anscheinend fand sie den Baron interessant genug, um ihn unter Beobachtung halten zu wollen.

Madeleine zögerte, dann gab sie sich einen Ruck. Ich fürchte, Shabah wird ihr Interesse auf ein anderes Ziel lenken müssen. Ich werde jetzt hören, was er zu sagen hat. Damit betrat sie die Suite.

Francesca erwartete sie bereits. Dimitros stand am Fenster und sah auf die Straße. "Guten Abend", sagte Madeleine und fügte leise hinzu: "Wie geht es ihm?"

Francesca hob die Schultern. "Er hat sich Gedanken gemacht, würde ich sagen. Er hat Fragen gestellt, ich habe ihm geantwortet. Eigentlich haben wir uns recht angenehm unterhalten." Sie zog sich zurück, als Madeleine ins Wohnzimmer trat, und schloß die Tür hinter sich.

Dimitros wandte sich um. Sein Gesicht war ernst, aber gefaßt. "Ich hoffe, Ihr habt die vergangenen Stunden gut genutzt", sagte die Lasombra. "Ich werde Euch nicht mehr viel Zeit geben können. Ich brauche Eure Antwort vor Mitternacht."

Er nickte nachdenklich. "Ihr habt gestern eine Aufgabe erwähnt, die Ihr hier erfüllt, und die ich nach Euch übernehmen soll. Erzählt mir davon."

Sie ließ sich in einem Sessel nieder. "Das ist die einzige Frage, die ich Euch nicht genau beantworten kann. Was wir hier wirklich bewachen, ist ein Geheimnis, das nicht meines ist. Ich habe mein Wort gegeben, es nicht zu verraten." Sie zögerte kurz. "Ihr erinnert Euch sicherlich sehr gut an das, was hier vor einigen Nächten passiert ist. Der Aufstand, die Kämpfe in den Straßen." Er nickte. "Auch wenn Ihr wie die meisten Sterblichen natürlich nicht wirklich wißt, was passiert ist", fuhr sie fort, "das, was Ihr mitbekommen habt, war schlimm genug. Ich kann Euch immerhin soviel sagen: sollte das, was wir bewachen, freikommen, dann werden Euch die Geschehnisse jener Nächte wie ein beschaulicher Ausflug vorkommen. Der Fall Konstantinopels wäre dann nur der Anfang."

Er grübelte eine Weile vor sich hin. Madeleine störte ihn nicht dabei. Sie hatte alles gesagt, was sie zu sagen hatte. Schließlich hob er den Kopf und sah sie an. "Ich werde nicht mehr bis Mitternacht brauchen, um mich zu entscheiden. Ich habe beschlossen, Euer Angebot anzunehmen."

Madeleine schloß kurz die Augen, dann nickte sie. "Ich hoffe, Ihr habt den letzten Sonnenuntergang genossen."

Er sah sie verdutzt an, dann schüttelte er den Kopf. "Nein."

"Das ist sehr bedauerlich", sagte sie und erhob sich, "aber nicht mehr zu ändern." Sie ging zum Nebenzimmer, wo Francesca wartete. "Es ist soweit", sagte sie leise zu ihrem Ghoul. "Besorg bitte ein paar Gefäße. Wir werden viel vitae brauchen."

Francesca nickte. "Vielleicht am besten Ghoule, er ist noch unerfahren im Trinken..."

Madeleine schüttelte den Kopf. "Nicht für ihn. Für mich."

Francescas Augen weiteten sich einen Moment, dann nickte sie. "Ich werde mich darum kümmern", versprach sie, und eilte nach draußen.

 

William hatte sich nach dem Verhör des gefangenen Ghouls in der Eingangshalle der Herberge niedergelassen. Es wurmte ihn, daß der Gefangene sich selbst umgebracht hatte, ehe er mehr aus ihm hatte herausbringen können. Es war schon schwierig genug gewesen, die Identität seiner Herrin zu erfahren. Dem Mann war völlig klar gewesen, daß er nach seinem Fehlschlag und der Enttarnung nicht würde zu ihr zurückkehren können. Ehe William ihn hatte daran hindern können, hatte er seine eigene Zunge verschluckt. Zum Glück wußte Madeleine noch nichts von seinem Tod, sie hatte im Moment genug andere Sorgen.

Wie aufs Stichwort kam in diesem Moment Francesca die Treppe herunter. Sie sah sich kurz um, entdeckte ihn, und kam geradewegs auf ihn zu. "Gut, daß ich Euch finde, Sir. Ich brauche Eure Hilfe."

"Madeleine?" fragte er nur.

Francesca nickte. "Der Baron hat sich entschieden, und ich denke, es wird jetzt passieren. Ich fürchte, sie beabsichtigt, ihm mehr von ihrem Blut zu geben, als gut für sie ist."

William verstand. "Gibt es oben einen Behälter, der groß genug ist, um genügend vitae aufzunehmen?"

"Ich habe zwei große Karaffen bereitgestellt", antwortete sie. "Ich werde noch William von Baskerville rufen. Zu dritt sollten wir hoffentlich genug für sie geben können."

 

Nachdem Francesca gegangen war, wandte Madeleine sich wieder dem Baron zu. Vor dem, was jetzt kommen würde, hatte sie mindestens soviel Angst wie er selbst, auch wenn davon nichts nach außen drang. Irgendwo in ihrem Innern spürte sie Williams Gegenwart, warm und beruhigend. Er war in der Nähe, wie er versprochen hatte. Sie gab sich einen Ruck. "Ihr habt Euch entschieden", sagte sie ruhig und deutete auf einen Diwan. "Setzt Euch. Ihr werdet ohnehin gleich nicht mehr stehen können."

Er zuckte kurz zusammen, als ihm bewußt wurde, daß sie tatsächlich jetzt sofort zur Tat schreiten wollte. Gleich darauf fing er sich jedoch wieder und ließ sich auf dem Diwan nieder. Madeleine setzte sich neben ihn, legte die Arme um ihn und zog ihn an sich. "Ich hoffe, du kannst mir das eines Tages verzeihen", murmelte sie, dann bog sie seinen Kopf zur Seite und biß zu.

Er riß die Augen auf und schnappte nach Luft, als sie den ersten Schluck nahm. Sie verstärkte ihren Griff und trank. Sein Leben floß in einem pulsierenden roten Strom aus ihm heraus und durch ihre Kehle. Madeleine hatte selten zuvor soviel vitae auf einmal getrunken, es war wie ein Rausch. Warm und lebendig strömte die Kraft durch ihre Adern und ließ sie alles um sich herum vergessen. Langsam wurden Alexis' Bewegungen schwächer, kraftloser. Ein letzter Rest Vernunft warnte sie, aufzuhören, ehe sie nach seinem Leben auch seinen Tod trank. Sie ließ gerade rechtzeitig von ihm ab und sah auf ihn herunter. Bleich und reglos lag er in ihrem Arm. Ein letzter, mühsamer Atemzug. Ein, zwei Schläge lang versuchte sein Herz noch, das Blut, das nicht mehr da war, durch seinen Körper zu pumpen. Dann war es vorbei.

Madeleine legte einen Finger auf seine Lippen und öffnete sanft seinen Mund. Dann hob sie ihren Arm, biß die Ader auf und ließ sorgfältig zwei Tropfen ihrer vitae auf seine Zunge fallen. Seine Augen öffneten sich sofort. Er sah nicht wirklich etwas, er spürte nur die Macht ihres Blutes, und sein Instinkt ließ ihn nach ihrem Arm greifen und gierig an der Wunde saugen. Sie ließ ihn trinken. Sie spürte, wie sie rasch schwächer wurde, wie ein Teil ihrer Kraft auf ihn überging, und wie das Tier in ihr wach wurde. Es wehrte sich dagegen, daß ihre vitae sie verließ und drängte sie, ihn anzugreifen. Gleichzeitig mußte sie gegen das Gefühl ankämpfen, das sie ergriff, als er von ihr trank und von dem der Teil von ihr, der nicht das Tier war, nicht wollte, daß es aufhörte. Ein harter Kampf, gegen zwei Gegner, aber sie gewann ihn.

"Genug", sagte sie schließlich leise. Er ließ sofort von ihr ab. Er hatte viel genommen, mehr, als sie ihm noch vor wenigen Nächten hätte geben können, ohne anschließend vor Hunger in Raserei zu verfallen. Sie war geschwächt, aber noch sie selbst. Das war auch wichtig, denn das Schlimmste stand noch bevor.

Plötzlich bäumte er sich in ihrem Arm auf und schrie gellend. Sein Körper starb. Madeleine hielt ihn fest und verhinderte, daß er sich verletzte oder etwas zertrümmerte, als er versuchte, um sich zu schlagen. Er wand sich schreiend in ihrem Griff, seine neue Stärke begann sich bereits bemerkbar zu machen, aber seine Bewegungen waren ziellos und unkontrolliert, und sie konnte ihn halten.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern. Endlich verebbten die Krämpfe, und sein Körper erschlaffte. Madeleine sah auf ihn herab und strich fast zärtlich eine Haarsträhne aus seinem Gesicht. Langsam öffnete er die Augen und sah sie an. Sein Gesicht nahm einen verwunderten Ausdruck an. Er hob eine Hand und berührte beinahe schüchtern ihre Wange. Dann begann er sich umzusehen, und das Erstaunen in ihm wuchs. Madeleine ließ ihn aufstehen und beobachtete, wie er im Zimmer herumging und alles förmlich in sich aufsog, als sehe er es zum ersten Mal. Schließlich trat er ans Fenster und sah nach draußen.

"Ich kann sie sehen", murmelte er fasziniert. "Ich kann die Leute im Haus gegenüber sehen, durch das Fenster, im Dunkeln. Vorher war da einfach nur eine schwarze Fläche..."

Madeleine nickte. "Deine Sinne sind schärfer geworden." Er schien sie gar nicht zu hören, sondern starrte wie gebannt auf die Straße hinunter. Madeleine stand auf und erschrak fast, als sie merkte, wie schwach sie war. "Warte hier", befahl sie. Er nickte, ohne sich umzudrehen.

Im Nebenzimmer saßen William, Francesca und Baskerville und sahen ihr besorgt entgegen. Madeleine versuchte ein Lächeln, dann wurde ihr Blick geradezu magisch von einem kleinen Tisch angezogen. Zwei große Kristallkaraffen standen darauf, die größere der beiden faßte gut und gerne drei Liter. Vitae. Sofort war alles um sie herum unwichtig. Sie griff nach der großen Karaffe, setzte sie an, und trank.

Der erste Tropfen hatte kaum ihre Zunge berührt, da wurde ihr klar, was sie da trank. Williams vitae, rein und unvermischt. Der Ventrue mußte sich halb ausgeblutet haben, um die Karaffe bis zum Rand zu füllen. Seine Präsenz in ihrem Geist fühlte sich auch ein wenig erschöpft an, hungrig, aber beherrscht. Madeleine schloß die Augen und genoß jeden einzelnen Tropfen. Sie hatte zwar schon vorher von William getrunken, aber nicht, seit Kain seine Macht vergrößert hatte, und selbst davor niemals auch nur annähernd so viel. In jedem Schluck steckte ein wenig von ihm, von dem, was ihn ausmachte. Für einen winzigen Moment hatte sie den Eindruck, als wären sie eins, ein Geist in zwei Körpern, dann kehrte sie langsam in die Wirklichkeit zurück. Die Karaffe war leer.

Die kleinere Karaffe enthielt menschliches Blut, Ghoulblut, wahrscheinlich von Baskerville und Francesca. Madeleine nahm auch davon noch einen Schluck, dann setzte sie das halbvolle Gefäß ab und sah ihre drei Gefährten der Reihe nach an. "Danke", sagte sie nur.

William lächelte. "Keine Ursache. Ist alles in Ordnung?"

Sie nickte. "Soweit möglich, ja. Wartet, ich hole ihn."

Sie ging nach nebenan. "Alexis?" Er stand immer noch am Fenster. Beim Klang ihrer Stimme wandte er sich um. Sie streckte ihm den Arm entgegen. "Du solltest noch ein wenig trinken. Und dann möchte ich dir jemanden vorstellen."

Gehorsam kam er und nahm ihren Arm. Einen Moment lang zögerte er, als wisse er nicht, was er als nächstes tun sollte, dann beugte er sich darüber und biß sie. Er trank langsam, bemerkte sie. Er schien sich bereits gut unter Kontrolle zu haben. Nach wenigen Schlucken hob er den Kopf und ließ ihren Arm los, ohne daß sie ihn dazu auffordern mußte. Aus irgendeinem Grund machte sie das stolz auf ihn.

"Schließ die Wunde", sagte sie und hielt ihm den Arm hin.

Er sah verwirrt darauf. "Wie?" fragte er schließlich.

"Leck darüber. Die Bißwunden, die wir selbst geschlagen haben, können wir auf diese Weise heilen. Sehr nützlich, um Spuren zu verwischen."

Seine Zunge glitt über die beiden kleinen Bißmale. Fasziniert sah er zu, wie sie sich vor seinen Augen schlossen.

"Komm", sagte sie schließlich und nahm seinen Arm. Gemeinsam betraten sie das Nebenzimmer, wo die anderen noch saßen und ihnen entgegensahen. "Francesca und Lord Baskerville kennst du bereits", sagte sie. "Und dies", sie deutete auf den Ventrue, "ist Sir William von Tintagel, mein Gefährte." Alexis verbeugte sich leicht. "William, dies ist Baron Alexis Dimitros. Mein Sohn."

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