Kapitel 27
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"Wie man es dreht und wendet, wir wissen zu wenig", stellte William fest.

Madeleine nickte. "Ich halte es auch nicht für eine gute Idee, offen gegen Baltimore vorzugehen, solange wir nicht absehen können, wieviele Verbündete er in der Stadt hat. Er ist zwar noch nicht lange hier, aber allein die Tatsache, daß er überhaupt in Jerusalem aufgetaucht ist, bereitet mir Bauchschmerzen."

William seufzte. "Die Sache mit den Werwölfen will mir nicht aus dem Kopf", meinte er. "Stell dir nur mal vor, wir bauen unsere hübsche Falle für den Kerl auf, und er taucht dort mit einem Rudel Garou als Unterstützung auf. Dann nützt uns auch der schöne Kampfplatz nichts, den wir so mühsam ausgesucht haben."

"Das bedeutet, wir müssen Fragen stellen", erklärte die Lasombra, schlüpfte aus dem Bett und griff nach ihren Kleidern. "Als Baltimore gestern bei Samia aufgetaucht ist, hat er doch bestimmt die Tür angefaßt. Vielleicht kann ich da etwas herausfinden."

 

Samias stummer Ghoul öffnete die Tür und lächelte die beiden freundlich an. Auf Williams Frage, ob die Caitiff im Haus sei, schüttelte er bedauernd den Kopf, zog ein Pergament aus der Tasche und hielt es ihnen hin. Madeleine nahm es und faltete es auseinander. Das Pergament war leer. Die Lasombra nickte verstehend, schloß die Augen und strich leicht mit dem Finger über das Blatt. Für einen winzigen Moment tauchten zwei Bilder vor ihrem inneren Auge auf: Baltimore, wie er am Türrahmen lehnte und mit herablassendem Blick mit Samia sprach. Dann Samia, die eine bestimmte Stelle am Türrahmen mit Kohle markierte. Es war genau die Stelle, an der Baltimores Hand gewesen war. Madeleine öffnete die Augen und grinste. "Samia hat vorausgesehen, daß wir hier auftauchen würden und was wir wollen", erklärte sie und reichte dem Ghoul das Pergament zurück, der es prompt verbrannte. "Dann werde ich mir die Sache mal ansehen."

Während die Lasombra still wie eine Statue an der Tür stand und in tiefer Konzentration versank, lehnte William neben ihr an der Wand und behielt die Umgebung im Auge. Es war wie üblich recht viel los auf den Straßen, aber das lag zu einem guten Teil daran, daß es in dieser Stadt zu viele gab, die auf der Straße lebten. Leer, so wie in Konstantinopel wenigstens in manchen Gegenden und zu bestimmten Uhrzeiten, war es hier nie. Es gab einfach zu viele Menschen hier, und manchmal wunderte sich der Ventrue ein wenig darüber. Wovon leben die nur alle? fragte er sich.

Madeleine bewegte sich und riß ihn aus seinen Gedanken. Es sieht nicht gut aus, berichtete sie lautlos. Ich habe fünf Garou gesehen, die in Karawansereien außerhalb der Stadt wohnen und mit Baltimore verbündet sind. Nach diesen roten Wölfen habe ich auch gefragt. Das wäre dann beinahe schiefgegangen. Ich habe einen von ihnen gesehen, er war riesig. Aber zu mehr als einem kurzen Blick kam ich nicht, dann tauchte da eine... Fratze auf, ich weiß nicht, wie ich sie beschreiben soll. Die Lasombra schauderte. Das Ding sah widerlich aus, rot und ziemlich verzerrt, wie ein Teufelsgesicht oder so etwas. Es muß bemerkt haben, daß jemand neugierig war und hat nach mir gesucht, aber es hat mich nicht gesehen.

Wieder eine Gelegenheit, Bruder Matthias für das Schutzamulett dankbar zu sein, kommentierte William. "Sag Samia bitte, daß wir gefunden haben, was wir gesucht haben", wandte er sich an den Ghoul. Der sah den Ventrue fragend an und machte einige Handbewegungen. William nickte. "Ja, die Markierung kannst du abwischen, wir brauchen sie nicht mehr." Der Ghoul winkte ihnen freundlich hinterher, als sie das Haus der Caitiff verließen.

Wir müssen uns unbedingt draußen umsehen, stellte Madeleine fest. Wir müssen mehr über die Garou wissen. Ich habe leider nicht genau gesehen, welche Karawansereien das sind, in denen sie wohnen, aber das sollte sich herausfinden lassen.

In Ordnung. Fliegen?

Fliegen, bestätigte sie.

 

Merkwürdig... Williams Stimme in Madeleines Kopf klang gedämpfter als sonst; es war für beide schwierig, gleichzeitig zu fliegen und den Kontakt aufrechtzuerhalten. Solange sie sich beide in der Luft befanden, konnten sie sich immerhin noch verständigen. Wenn nur einer von ihnen flog, war es wenig empfehlenswert.

Was ist?

Dieses Zelt da unten, neben der Umzäunung mit den ganzen Kamelen. Irgendjemand ist dort drin, vermutlich mehrere Leute, aber ich kann absolut keine Auren erkennen. Es ist nicht einmal so, als würde mich etwas blockieren. Da ist einfach nichts zu sehen.

Nicht gut, kommentierte Madeleine und überlegte etwas mißmutig, daß sie in letzter Zeit viel zu häufig Gelegenheit zu dieser Feststellung hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das hier einer der Orte ist, die ich in meiner Vision gesehen habe. Vielleicht... oh, Vorsicht, da kommt jemand aus dem Zelt!

Tatsächlich schob sich in diesem Moment eine kräftige Gestalt durch den Zelteingang und stapfte sichtlich verärgert durch das Lager. Garou, kam es knapp von William. Erkennst du ihn wieder?

Nein, antwortete sie, nachdem sie sich den Mann so genau angesehen hatte, wie es aus sicherer Flughöhe möglich war. Er ist keiner von denen, die ich gesehen habe. Das muß aber nichts heißen.

Es gibt hier aber auch wirklich keine Stelle, an der man landen könnte, um einen genaueren Blick auf alles zu werfen, stellte William unzufrieden fest. Wer immer diese Anlage hier gebaut hat, scheint genau gewußt zu haben, was er tat.

Also weiter Kreise ziehen. Madeleine seufzte in Gedanken. Was hältst du davon, wenn du hier aufpaßt und ich inzwischen weiterfliege und die nächste Karawanserei suche?

In Ordnung. Wir können es uns wirklich nicht leisten, unnötig Zeit zu vertrödeln. Er schickte ihr ein Gefühl von Wärme. Paß auf dich auf, ja?

Wie immer, versicherte sie, dann fand sie eine günstige Luftströmung und war wenig später in der Dunkelheit verschwunden.

 

Williams Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Fast zwei Stunden lang passierte gar nichts. Der Garou, der vorhin aus dem Zelt gekommen war, streifte scheinbar ziellos durch das Lager. Er war immer noch wütend, hatte sich aber für einen Werwolf bemerkenswert gut unter Kontrolle. Der Ventrue kreiste über der Karawanserei und behielt ihn im Auge. Der Garou bemerkte ihn nicht. Endlich gewann Williams Ungeduld doch die Oberhand, und er beschloß, sich etwas näher an das merkwürdige Zelt heranzuwagen. Eine kleine Fledermaus würde schon niemandem auffallen... Er ließ sich nach unten fallen, zog eine enge Schleife und hängte sich an einem benachbarten Zelt an eine Stange. Es dauerte nicht lange, dann hörte er plötzlich Bewegung und Stimmen in dem Zelt, aus dem der Garou gekommen war. Jemand reckte sich. "Was für ein Ritt", stöhnte eine müde Stimme.

"Ja, das war richtig anstrengend", meinte ein zweiter. "Das Umbra ist auch nicht mehr, was es früher war."

"Hört auf zu jammern", knurrte eine dritte Stimme. "Wenn wir... Moment." Jemand schnupperte hörbar. "Da ist doch etwas... Ausschwärmen!" Das letzte Wort kam als Befehl, so laut, daß es durch das halbe Lager schallte.

William zögerte keinen Augenblick, sondern ließ sich von der Stange fallen, fing sich kurz über dem Boden ab und gewann eilig an Höhe. Während er in sicherem Abstand über den Zelten kreiste, konnte er unten im Lager eine sehr systematische Suchaktion beobachten. Ihm war völlig klar, daß einer der Garou ihn irgendwie gerochen hatte. Sehr präzise schien seine Wahrnehmung allerdings nicht gewesen zu sein, jedenfalls kam niemand auf die Idee, nach oben zu schauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe schließlich ein massig gebauter Mann aus dem Zelt trat und die übrigen zurückbeorderte. Einer der Sucher schien mit der ganzen Aktion unzufrieden zu sein und sagte in barschem Ton etwas zu dem Anführer, das William nicht verstehen konnte. Neugierig glitt William ein wenig tiefer. "Willst du etwa Ärger?" knurrte der Anführer bedrohlich.

"Könnte doch sein, daß jemand anders besser für deine Aufgabe geeignet wäre", antwortete der andere im selben Tonfall. Die beiden Kontrahenten umkreisten sich langsam. Schließlich ruckte der Kopf des Anführers drohend nach vorne, und tief aus seiner Brust drang ein unheimliches Grollen. Der andere schien einen Moment lang drauf und dran, den Kampf aufzunehmen, wich dann aber doch einen Schritt zurück.

"Genug davon", befahl der Anführer. "Wir haben wichtigeres zu tun, als uns gegenseitig zu zerfleischen. Die Kreaturen des Wyrm sind überall." Die Garou zogen sich wieder in das Zelt zurück. William hatte außer dem Anführer noch sechs weitere gezählt. Nachdenklich zog der Ventrue wieder ein Stück nach oben und lauschte in sich hinein, um sich zu erkundigen, wie es Madeleine inzwischen ergangen war.

 

Nachdem sie sich von William getrennt hatte, flog Madeleine eine ganze Weile schnurgerade nach Südwesten. In einiger Entfernung sah sie die Lichter der Zitadelle. Schließlich tauchten auch vor ihr Lichter auf, und sie verlangsamte ihren Flug. Tatsächlich, da vorne brannten Feuer. Vorsichtig kam sie näher. Gleich darauf wußte sie, was sie hier gefunden hatte. Unter ihr lag keine Karawanserei, die zumindest ein festes Gebäude hatte. Stattdessen drängten sich um die Lagerfeuer etliche Zelte und einige Wagen, deren Bauart der Lasombra recht bekannt vorkam. Gestalten in leuchtend bunten Kleidern liefen durcheinander. Madeleine sah sofort, daß nicht alle von ihnen sterblich waren. Sie war auf das Lager der Ravnos gestoßen. Irgendwo da unten war möglicherweise auch Aran Hendor unterwegs. Vermutlich hätte er sie in ihrer Eulengestalt nicht erkannt, aber sie hatte trotzdem nicht das Bedürfnis, sich von ihm sehen zu lassen.

Madeleine wollte gerade ein wenig an Höhe gewinnen, als ihr ein Wagen auffiel, der in der Nähe der Feuer stand. Auf den Stufen, die zur Tür hinaufführten, hockte eine vertrocknet aussehende alte Frau und schaute nach oben. Madeleine spürte den Blick der Alten auf sich. Im nächsten Moment hörte sie eine Stimme direkt in ihrem Kopf: Molchauge und Krötenschleim, Eulenfedern müssens sein!

Aber nicht meine, dachte die Lasombra entsetzt und wollte flüchten. Gleich darauf mußte sie jedoch mit Schrecken feststellen, daß ihre Muskeln ihr nicht mehr gehorchten. So sehr sie auch versuchte, nach oben zu steigen, ihre Flügel zogen sie nach unten, auf die Alte zu, die ihr zahnlos entgegengrinste und sich die Hände rieb. Das darf doch nicht wahr sein, dachte Madeleine verzweifelt und mobilisierte alle Reserven. Mit letzter Kraft riß sie sich zusammen und brach den Bann, der auf ihr zu liegen schien. Als sie sich in den Himmel schwang, folgte ihr das enttäuschte Kreischen der Hexe. Madeleine schauderte und beeilte sich, Abstand zu gewinnen. Ein wenig wunderte sie sich darüber, daß es ihr so schwer gefallen war, sich dem Ruf zu widersetzen. Die kurze Auseinandersetzung hatte sie geschwächt, sie fühlte sich erschöpft. Aber jetzt war wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt, sich etwas Ruhe zu gönnen.

Die nächste Siedlung, die sie fand, kannte sie bereits. Es war das ehemalige Heerlager, in dem sie einen Tag lang gewohnt hatten, ehe sie in die Stadt gekommen waren. Dies war keiner der Orte, die Madeleine in ihrer Vision gesehen hatte. Trotzdem kreiste sie eine Weile unentschlossen über einem der wenigen Ziegelbauten zwischen den Zelten. Etwas trieb sie, tiefer zu gehen und einen Blick durch die Fenster zu werfen. Vielleicht würde sie den schwarzen Krieger sehen können... Madeleine wußte selbst nicht, was sie sich von einer derartigen Begegnung erhoffte, solange sie nichts in der Hand hatte, was ihm helfen konnte. Möglicherweise wollte sie einfach sichergehen, daß er noch da war. Lautlos glitt sie an einem der Fenster vorbei und warf neugierig einen Blick ins Innere. Nichts war zu sehen. Madeleine beschloß, das Haus einmal zu umrunden und dann weiterzufliegen.

Als sie fast an dem Fenster vorbei war, glaubte sie dahinter eine Bewegung zu erkennen. Sie drehte den Kopf, um nachzusehen. Dadurch entging ihr leider, daß hinter dem benachbarten Fenster, auf dessen Höhe sie sich beinahe befand, tatsächlich jemand stand. Und dieser jemand war sehr erstaunt, sie zu sehen. "Was ist das denn - eine Schleiereule? Hier?" Im nächsten Moment schossen zwei kräftige Hände durch die Fensteröffnung und packten die völlig überraschte Lasombra. Die Stimme hatte Fränkisch gesprochen, und der Mann, der sie festhielt und argwöhnisch musterte, war offensichtlich ein fränkischer Krieger.

Madeleine war ärgerlich. So etwas hätte ihr nicht passieren dürfen. Von einem Sterblichen einfach aus der Luft gepflückt... sie wurde wirklich unvorsichtig. Dummerweise schien der Kerl wenig geneigt, sie einfach loszulassen. Man würde ihm gut zureden müssen. Die Eule riß den Schnabel auf und gab ein Fauchen von sich, das einer Wildkatze zur Ehre gereicht hätte. Gleichzeitig stellten sich ihre Federn auf, und ihre Augen glühten rubinrot. Der Krieger reagierte prompt und warf sie mit einem erschrockenen Aufschrei von sich. Madeleine breitete die Flügel aus und fing sich ab. Der Mann überwand seinen Schrecken allerdings bemerkenswert schnell: kaum hatte die Lasombra ein wenig an Höhe gewonnen, da bückte er sich und griff nach einer Armbrust, die neben ihm auf dem Boden lag. Madeleine wartete nicht ab, bis er sie gespannt hatte, sondern glitt eilig aus seinem Sichtfeld.

Brauchst du Hilfe? erkundigte sich William besorgt.

Nein, alles in Ordnung, beruhigte sie ihn. Heute nacht scheint alles hinter meinen Federn her zu sein. Sie berichtete ihm kurz, was sie bisher gefunden hatte. Und wie sieht es bei dir aus? Ist etwas passiert?

Nein. Dieser Kerl, der vorhin aus dem Zelt gestürmt ist, läuft hier immer noch durch die Gegend, ansonsten ist es ruhig.

Ich werde mich weiter umsehen, erklärte sie. Vielleicht finde ich noch etwas.

Madeleine rang einen Moment mit sich, dann brachte sie es aber doch nicht fertig, sofort weiterzufliegen. In gebührendem Abstand glitt sie um das Haus herum und spähte durch die Fenster. Schließlich entdeckte sie hinter einem von ihnen den schwarzen Leibwächter. Er stand neben einer Tür auf seinem Posten, still und unbewegt wie eine Statue aus Ebenholz. Madeleine warf ihm einen kurzen Blick zu und schwebte lautlos davon, ehe er sie bemerkte.

 

Die nächste Karawanserei, die sie fand, war scheinbar verlassen. Einsam lag ein aus Lehmziegeln gebautes Haus zwischen den Felsen. Keine Zelte waren zu sehen, und die für Lasttiere gedachten Umzäunungen waren leer. Madeleine wollte schon daran vorbeifliegen, als sie aus einem Impuls heraus beschloß, sich doch noch etwas genauer umzusehen. Vorsichtig näherte sie sich dem Gebäude. Alle Fenster waren dunkel, trotzdem wurde sie das Gefühl nicht los, daß das Haus nicht so verlassen war, wie es schien. Madeleine landete auf einem Felsen und spähte angestrengt nach vorn. Ja, da war etwas. Hinter einem der Fenster hatte sich etwas bewegt. Eine Gestalt lief hin und her. Eine zweite stand still. Und irgendetwas lag auf dem Boden. Die Lasombra konzentrierte sich auf ihre übernatürlichen Sinne, und im selben Moment wurde die Schwärze der Nacht von Farben überlagert. Das, was auf dem Boden lag, war ein Kainit. Die Gestalt, die herumlief, war ebenfalls ein Verwandter; die stillstehende hingegen war ein Mensch. Madeleine spürte, wie es ihr unter ihren Federn kalt den Rücken herunterlief. Sie hätte wetten mögen, daß der Mensch Chai-Lung war. Das bedeutete, daß es sich bei dem anderen, der sich bewegte, um Lord Baltimore handeln mußte. Und der Kainit auf dem Boden... Gott, laß es nicht Samia sein, dachte sie entsetzt. Ihr war klar, daß sie näher heranmußte, um etwas genaueres zu erkennen. In ihrer Eulenform würde sie jedoch für Chai-Lung leichte Beute sein. Kurz entschlossen schwebte sie zu Boden und verwandelte sich zurück. Sie hielt sich nicht lange in ihrer natürlichen Form auf, sondern suchte sofort die Nähe der Schatten und verschmolz mit ihnen. Als schwarze Wolke kroch sie über den steinigen Boden, dann an der Hauswand hinauf und schließlich in eine Mauerritze.

Vorsichtig schob sie einen fadendünnen Ausläufer aus der Ritze heraus und warf einen kurzen Blick in den Raum, ehe sie sich rasch wieder zurückzog. Der Blick hatte genügt. Die Gestalt auf dem Boden, die erwartungsgemäß einen Pflock in der Brust stecken hatte, war nicht Samia. Madeleines Erleichterung währte allerdings nur kurz. Der gelähmte Kainit war Sir Wirko, der offenbar nach seinem Wutausbruch letzte Nacht von Baltimore beiseitegeschafft worden war. Und gerade, als Madeleine hinsah, beugte sich der Malkavianer über ihn und ließ seine vitae zwischen Wirkos Lippen tropfen.

Madeleine machte sich in ihrer Mauerritze so klein wie möglich und lauschte angestrengt. Zu ihrem Bedauern wurde jedoch nicht gesprochen. Plötzlich hörte sie Schritte, die auf sie zukamen. Er kann mich doch unmöglich gesehen haben, dachte sie - und im nächsten Moment explodierte die Wand um sie herum. Die Lasombra überlegte nicht lange, sondern schoß davon, nach oben in den Himmel. Hinter sich sah sie Chai-Lung, der ihr hinterherschaute. Die Wand, in der sie sich verborgen hatte, existierte nicht mehr. Der Cathayer hatte mit einem einzigen Schlag das halbe Haus zum Einsturz gebracht.

Madeleine? Ist alles in Ordnung?

Ja und nein, erwiderte sie grimmig und berichtete, was sie gesehen hatte. Laß uns zur Stadt zurückfliegen, wir sollten Samia unbedingt erzählen, was hier vorgeht.

 

Sie trafen die Caitiff in ihrem bevorzugten Kaffeehaus, wo sie wieder mit einer Wasserpfeife an der Straße saß. "Wir sollten zu dir nach Hause gehen", erklärte Madeleine leise nach der Begrüßung. "Wir haben etwas zu erzählen, und das sollte unter uns bleiben." Wenig später saßen sie in Samias Wohnzimmer, wo die Caitiff sich mit finsterer Miene anhörte, was die beiden zu berichten hatten.

"Gut, daß ihr das gesehen habt", stellte sie schließlich fest. "Spätestens jetzt ist Wirko absolut nicht mehr zu trauen."

"Außerdem", warf Madeleine ein, "sollten wir uns nicht mehr allzuviel Zeit lassen, ehe wir etwas gegen Baltimore unternehmen. Je länger wir warten, desto stärker wird er."

"Aber wir wissen immer noch nicht, wie wir ihn packen können", meinte William. "Wir müssen mehr über diese roten Werwölfe herausfinden. Und ich denke, das können wir in der Bibliothek."

Madeleine nickte. "Das sollten wir aber selbst übernehmen. Nicht, daß William nicht herausbekommen könnte, was wir wissen wollen, aber wir sollten nicht vergessen, daß Baltimore einen Ring besitzt. Und falls er William bei den Illuminaten begegnet, könnte er aus seinen Gedanken mehr erfahren, als uns lieb sein kann."

"In Ordnung", sagte der Ventrue. "Dann werde ich morgen nacht zur Bibliothek gehen."

"Und ich werde mich noch einmal vor der Stadt umsehen." Madeleine stand auf. "Und vorher muß ich William schonend beibringen, daß er sich fürs erste von der Bibliothek fernhalten soll." Sie seufzte. "Das ist, als wollte man einem Kind einen Honigkuchen wegnehmen."

 

William von Baskerville trug es mit Fassung. Als Madeleine ihn um den Ring bat, zog er ihn sofort aus der Tasche und reichte ihn ihr. "Um diese Sache müssen wir uns selbst kümmern", erklärte die Lasombra entschuldigend. "Und es ist auch besser, wenn du vorerst nicht weißt, wonach wir genau suchen. Ich würde natürlich nicht für einen Moment annehmen, daß du bewußt etwas verraten würdest, aber es gibt Mittel und Wege, an dein Wissen heranzukommen, ohne daß du es bemerkst."

Baskerville nickte verstehend. "Baltimore", sagte er nur.

"Baltimore", bestätigte sie.

 

Am nächsten Abend hielt Madeleine sich nicht lange damit auf, die Lager zu untersuchen, bei denen sie gestern abend schon gewesen war. Lediglich die verlassene Karawanserei, in der sie Baltimore gesehen hatte, interessierte sie. Eingedenk dessen, was ihr gestern dort passiert war, näherte sie sich dem Gebäude ausgesprochen vorsichtig und in großer Höhe. Als sie langsam näherkam und einige Male über dem Haus kreiste, stellte sie jedoch fest, daß die Vögel ausgeflogen waren. Das riesige Loch, das in der Wand klaffte, gewährte ihr einen großzügigen Blick ins Innere, so daß sie sich leicht davon überzeugen konnte, daß sich hier tatsächlich niemand mehr aufhielt. Vermutlich bedeutete das, daß Baltimore Wirkos Blutpakt bereits vollendet und seinen neuen Sklaven von hier weggeschafft hatte. Madeleine schraubte sich wieder höher in den Himmel und glitt lautlos davon.

 

"Guten Abend... ach, Ihr seid das schon wieder." Der Gargoyle musterte William mit gewohnt unfreundlichem Blick. "Kommt rein, wenns sein muß." Er geleitete den Ventrue in den Warteraum und verzog sich, um Wenzel zu holen.

Kurz darauf hörte William draußen eine bekannte Stimme. "Wie oft muß ich dir eigentlich noch sagen, daß du Gästen gegenüber auf deine Manieren achten sollst?"

"Was regt Ihr Euch auf, immerhin habe ich ihn hereingebeten", brummte der Gargoyle.

Kopfschüttelnd betrat Wenzel den Raum. "Guten Abend. Was kann ich für Euch tun?"

William verneigte sich höflich. "Guten Abend. Ich bin auf der Suche nach Büchern, leider kann ich Euch nicht genau sagen, welche es sind. Deswegen möchte ich Euch bitten, mir Zugang zur Bibliothek zu gewähren."

Wenzel runzelte die Stirn. "Es wäre günstiger, wenn Ihr mir sagen würdet, welche Bücher Ihr braucht. Unsere Bibliothek ist nicht sehr übersichtlich."

William hob bedauernd die Schultern. "Ich kann es Euch nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Ich suche bestimmte Informationen..."

Wenzel nickte. "Ich verstehe. Trotzdem wäre es besser, ihr würdet mir ungefähr sagen, was Ihr sucht. Dann könnte ich Euch die entsprechenden Bände vorschlagen und Euch eine Liste für den Bibliothekar mitgeben. Er ist etwas, nunja, eigenwillig."

William rang mit sich. Einerseits widerstrebte es ihm, Wenzel einzuweihen, andererseits mußte er einsehen, daß er ohne seine Hilfe nicht weiterkommen würde. Endlich beschloß er, einen Teil der Wahrheit preiszugeben. "Ich suche etwas über Wölfe", erklärte er. "Über ganz besondere Wölfe."

"Ah ja." Wenzels Gesicht verriet nichts über seine Gedanken, als er einen Moment lang nachgrübelte, dann zu einer Schiefertafel griff und einige Titel daraufschrieb. "Gebt das dem Bibliothekar", sagte er und reichte dem Ventrue die Tafel. "Ich kann Euch allerdings nicht garantieren, daß er Euch die Bände gleich heraussucht. Wie ich schon sagte..."

"... er ist etwas eigenwillig, ja." William grinste. Allmählich wurde er neugierig auf den seltsamen Bibliothekar.

Wenzel erhob sich und öffnete die Tür. "Mein Diener wird Euch den Weg zeigen", erklärte er und winkte den Gargoyle heran, der von dieser Idee sichtlich wenig hielt.

Die Bibliothek war beeindruckend. Ein hoher Raum, dessen Wände bis unter die Decke von Regalen verdeckt wurden, erstreckte sich fast über die gesamte Länge des Hauses. William schätzte, daß hier einige hundert Bücher stehen mußten. Im hinteren Teil standen zwei Lesepulte, und in der Mitte des Raums gab es einen Schreibtisch mit Pergament und Schreibzeug zum Kopieren. Kein Wunder, daß Baskerville sich hier so wohlfühlt, dachte er.

"Was wollt Ihr?" fragte eine heisere Stimme unfreundlich hinter ihm. William drehte sich um. Vor ihm stand ein alter Mann in einem einfachen braunen Kittel, der sich auf einen Stock stützte und den Ventrue aus zusammengekniffenen Augen musterte.

William verneigte sich leicht. "Guten Abend. Meister Wenzel sagte mir, ich solle mich wegen dieser Bücher an Euch wenden." Damit reichte er dem Alten die Tafel, wobei er darauf achtete, ihn unauffällig den Siegelring sehen zu lassen.

"Hm", knurrte der Bibliothekar und betrachtete die Tafel. Dann nickte er knapp, drehte sich ohne ein weiteres Wort um und schlurfte davon. Sehr langsam, wie William feststellte. Der Ventrue seufzte leise und richtete sich auf eine längere Wartezeit ein.

Es war fast eine halbe Stunde vergangen, als er mit einem Mal spürte, daß ihn jemand beobachtete. Betont langsam drehte er sich um und musterte den Mann, der hinter ihm in der Tür aufgetaucht war. Auf den ersten Blick wirkte der etwas deplaziert in seinem leichten Kettenhemd mit den Waffen am Gürtel. Er machte durchaus den Eindruck, als wisse er sie auch zu gebrauchen. Auf den zweiten Blick allerdings fiel die Art seiner Bewaffnung auf. Nicht das Schwert, das schien gewöhnlich genug zu sein. Daneben jedoch steckten zwei sorgfältig angespitzte Holzpflöcke. Kleine gepolsterte Futterale im Gürtel beherbergten etwa ein halbes Dutzend Phiolen, die für Williams besondere Sinne überaus unangenehm aussahen: Weihwasser, und zwar echtes. Kein Zweifel, vor ihm stand der Vampirjäger, vor dem Bodhi sie gewarnt hatte. Er betrachtete William mit etwas verwirrtem Blick. Der Ventrue verneigte sich leicht. "Guten Abend."

"Guten Abend", erwiderte der Fremde, machte zwei Schritte auf William zu und schnupperte leicht. Dann runzelte er die Stirn, schüttelte den Kopf und kam noch einen Schritt näher. "Entschuldigt, darf ich?" Er griff nach Williams Hand, der sie ihm bereitwillig reichte. "Warme Haut, Pulsschlag...", murmelte er. "Wirklich erstaunlich." Er ließ Williams Hand los und musterte den Ventrue scharf. "Für einen Moment hättet Ihr mich beinahe täuschen können. Was sucht Ihr hier?"

"Das gleiche wie Ihr, nehme ich an", antwortete William ungerührt. "Wissen."

"Ich verstehe. Nun, dies hier ist neutraler Boden. Sollten wir uns allerdings draußen auf der Straße begegnen, dann möge der bessere von uns gewinnen." Er warf einen bezeichnenden Blick auf Williams Hand. "Dann wird Euch auch der Ring nicht schützen." Er machte eine höfliche Verbeugung, ohne William dabei aus den Augen zu lassen, drehte sich um und ging. William sah ihm nachdenklich hinterher. Der Mann war nicht ungefährlich, das spürte er. Man würde ihn im Auge behalten müssen.

Die Stimme des Bibliothekars riß ihn aus seinen Gedanken. "Hier sind die Bücher, die Ihr haben wolltet", brummte er und legte drei ledergebundene Folianten auf eines der Lesepulte. "Wenn Ihr noch etwas braucht, muß das bis morgen warten, ich habe zu tun." Damit ließ er William stehen und verschwand wieder zwischen den Regalen. Unbeeindruckt von seiner Unfreundlichkeit trat der Ventrue an das Pult und schlug das erste Buch auf. Es würde eine lange Nacht werden.

 

Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang trafen William und Madeleine fast gleichzeitig wieder zu Hause ein. "Ich habe nicht allzuviel zu erzählen", erklärte die Lasombra und setzte sich auf die Bettkante. "Ich habe ein weiteres Lager von Werwölfen gefunden, sie gehören zu denen, die wir gestern schon gesehen haben. Sie haben Menschen dabei, die sie anscheinend unterstützen, so etwas ähnliches wie unsere Ghoule. Einen von ihnen habe ich ausgehorcht, ohne daß er es gemerkt hat, er wußte aber leider nicht sehr viel. Die Garou sind zu siebt, drei Anführer, drei Unterführer und einer, der sie alle beherrscht, wahrscheinlich befehligt er mehrere Rudel. Sie sind ziemlich fanatisch, ihr ganzes Streben gilt der Vernichtung des Wyrm und seiner Kreaturen. Sie warten hier auf irgendetwas, leider weiß mein Informant nicht, worauf." Sie runzelte die Stirn. "Angesichts dessen, was ich über sie erfahren habe, frage ich mich wirklich, wie Baltimore es geschafft hat, sie zu einem Pakt zu bewegen. Die Vision gestern war eindeutig, fünf dieser Garou sind Baltimores Verbündete. Aber warum?" Sie schüttelte den Kopf und strich sich mit der Hand über die Augen. William fand, daß sie müde aussah. Sein Blut verriet ihm, daß er sich nicht täuschte, er konnte ihre Erschöpfung spüren. "Und was haben dir die Bücher verraten?" fragte sie.

"Einiges, aber wenig, was uns direkt weiterhilft. Ich weiß jetzt, was es mit diesen roten Werwölfen auf sich hat. Sie leben weit im Osten, in einem unzugänglichen Gebirge, das sie niemals verlassen. Im Gegensatz zu anderen Garou hassen sie nicht nur die Geschöpfe des Wyrm, sondern verachten auch die Menschen, deswegen nehmen sie so gut wie nie menschliche Gestalt an. Ein roter Werwolf würde nie einen Pakt mit einem Menschen eingehen, oder gar mit einem von uns. Ein einziges Mal, vor langer Zeit, ist einer von ihnen abtrünnig geworden. Die anderen haben ihn gejagt und seine Seele vernichtet. Sein Körper soll noch existieren, aber seine Seele ist für immer zerstört."

Madeleine schauderte. "Die Sache wird immer unangenehmer. Was will Baltimore von diesen Wesen?"

William hob die Schultern. "Keine Ahnung. Auf jeden Fall müssen wir uns morgen mit Samia und Azim beraten. Ich hatte ja eine Zeitlang den Verdacht, daß Chai-Lung vielleicht einer dieser roten Wölfe sein könnte, aber nach allem, was ich heute erfahren habe, können wir diese Theorie wohl getrost vergessen."

Sie nickte. "Azim soll uns endlich erklären, was es mit dem Kerl auf sich hat. Er weiß es ja anscheinend. Und solange wir keine Ahnung haben, womit wir es hier eigentlich zu tun haben, können wir uns auch nicht schützen."

"Wir fragen ihn morgen", stimmte William zu und gähnte. "Die Sonne wird gleich aufgehen. Ich sollte mich hinlegen."

Madeleine lächelte und küßte ihn. "Schlaf gut", sagte sie.

 

"Es ist eine Einladung angekommen", erklärte Francesca. "Sie sieht sehr offiziell aus."

Madeleine beäugte kritisch ihre Arbeit, dann legte sie sie beiseite und nahm den Brief. "Soso", murmelte sie, als sie das Schreiben überflogen hatte. "Sir Cesar van Dyke fordert Samia und ihre Gäste auf, um Mitternacht zur Audienz in der Zitadelle zu erscheinen. Ob er etwas gegen Osmadi unternehmen will?"

Dieser Meinung war auch William, als er aufwachte und den Brief gelesen hatte. "Übrigens", sagte er dann, "du wirst nicht glauben, was ich geträumt habe. Das heißt, eigentlich war es kein Traum. Der Geist, den die Kappadozianerinnen geschickt haben, um Khosann für uns zu finden, hatte tatsächlich Erfolg. Er hat mir gezeigt, wo der Kerl steckt. Er hat sich in einer unterirdischen Höhle eingenistet, wahrscheinlich irgendwo in den Katakomben. Als ich ihn gesehen habe, saß er auf einem Thron aus Knochen, und um ihn herum waren Nosferatu, die er unterworfen hatte."

Madeleine unterdrückte einen Fluch. "Als ob wir nicht schon genug Probleme hätten", knurrte sie. "So wenig mir das auch schmeckt, Khosann wird warten müssen. Erst müssen wir sehen, was Cesar vorhat."

"Mitternacht", murmelte William und zog sein Hemd an. "Da haben wir noch genug Zeit, zu Samia zu gehen und..."

"Samia und Azim sind gerade angekommen", sagte Francesca, die eben wieder in der Tür aufgetaucht war.

"Ausgezeichnet. Laß sie herein."

"Es tut sich etwas, wie es scheint", stellte die Caitiff fest, als sie eintrat.

William nickte. "Gut daß ihr hier seid. Wir haben uns gestern noch ein wenig umgesehen und dabei einiges herausgefunden..." Er erzählte, was er in der Bibliothek und Madeleine vor der Stadt erfahren hatte. Dann sah er Azim an. "Soweit das, was wir über die Wölfe wissen. Es gibt allerdings noch eine Sache, über die du besser Bescheid weißt als wir. Was ist Chai-Lung?"

Azim sah ihn nachdenklich an. Offenbar überlegte er, ob er diese Frage wirklich beantworten sollte. Schließlich gab er sich einen Ruck. "Die Lung sind Menschen", sagte er langsam. "Ihre Kräfte kommen aus ihnen selbst, das macht sie so gefährlich. Sie sind der Abschaum der Gesellschaft, mir würde nichts einfallen, wovor ein Lung zurückschreckt. Ihr habt einen von ihnen in Aktion gesehen, ihr wißt, wozu er fähig ist."

"Ich habe ja erst vorgestern wieder eine Kostprobe seiner Fähigkeiten bekommen", meinte Madeleine. "Er kann mich in dieser Mauerspalte nicht gesehen haben, trotzdem hat er gezielt zugeschlagen."

"Er hat dich gesehen, glaub mir. Obwohl ich mich ein wenig wundere, daß er dich offenbar nicht verletzt hat."

"Als Schatten bin ich körperlich nicht verwundbar", erklärte sie. "Er hätte mit Feuer zuschlagen müssen oder mit etwas Übernatürlichem, um mich zu treffen. Reine Gewalt alleine reicht nicht."

"Sei froh, daß er das nicht wußte", antwortete der Assamit trocken. "Er kann ungeahnte Kräfte mobilisieren und in einen einzigen Schlag legen."

"Das habe ich gesehen", knurrte sie. "Er hat mit einem Hieb das halbe Haus zerstört. Und das ohne Waffen."

Azim nickte. "Seine einzige Schwachstelle ist, daß er seine Macht nicht beliebig oft hintereinander einsetzen kann. Wenn er auf diese Art zuschlägt, braucht er anschließend einen Moment, um neue Kraft zu sammeln. Andererseits ist er gut genug, daß ihm normalerweise ein Schlag auch völlig ausreicht."

"Aber wenn die Lung solche Monster sind", fragte Madeleine, "wieso dient er dann Baltimore? Nach allem, was du bisher erzählt hast, würde ich nicht annehmen, daß diese Leute sich freiwillig jemandem unterstellen."

"Richtig", bestätigte Azim. "Ich kann mir höchstens vorstellen, daß Baltimore ihm einmal das Leben gerettet haben muß. Die Lung haben schon einen Ehrenkodex, wenn auch einen ziemlich verdrehten. Eine Blutschuld begleichen sie immer. Und wenn das wirklich der Fall ist, wird man Chai-Lung auch nicht von Baltimores Seite weglocken können. Die Blutschuld steht über allen anderen Pflichten."

"Schöne Aussichten", kommentierte William trocken und warf einen Blick aus dem Fenster. "Ich würde gerne noch frühstücken und mich umziehen, ehe wir zur Zitadelle gehen. Holt ihr uns später ab?"

"In Ordnung." Samia stand auf. "Ich bin ja wirklich gespannt, was Cesar will."

"Nicht nur du", murmelte Madeleine.

 

"Samia, Prinz des jüdischen Viertels, mit ihren Gästen", verkündete der Haushofmeister, als die vier pünktlich um Mitternacht den Audienzsaal betraten. Azim hatte wieder seine Tarnung als fränkischer Adliger angenommen und stellte sich als Frédérick de Barelle vor. Madeleine sah sich unauffällig im Saal um. Die Kainiten, die Cesar vor einigen Nächten zu Osmadis Moschee begleitet hatten, waren vollzählig anwesend. Die einzigen, die fehlten, waren die beiden Brujah, die mit Sir Wirko unterwegs gewesen waren. Madeleine ahnte Übles, was ihr Schicksal anging. Wirko selbst lehnte mit verschränkten Armen an einer Säule. Hinter Cesars Thron stand Lord Baltimore. Und in einer Ecke hockte Chai-Lung im Schneidersitz auf dem Boden, still und scheinbar in Meditation versunken. Madeleine ließ sich nicht täuschen, sie war sicher, daß ihm kein Wort, keine Bewegung im Raum entging.

"Ich habe diese Audienz angesetzt, um mich nach dem Stand Eurer Bemühungen bei der Suche nach Prinzessin Isabella zu erkundigen", erklärte Cesar. Bei seinen Worten schien plötzlich eine seltsame Kraft den Raum zu durchdringen. William war sicher, daß sie nicht von Cesar ausging. Etwas versuchte, nach seinem Geist zu greifen, aber es gelang dem Ventrue mühelos, den Einfluß abzuschütteln. Cesar sprach unterdessen weiter, als wäre nichts geschehen. "Wie Ihr inzwischen zweifellos erfahren habt, habe ich eine Belohnung für das Auffinden Ihrer Hoheit ausgesetzt."

Bei seinen Worten leuchteten Icharyds Augen gierig auf. "Ich bin dabei, der Sache nachzugehen", erklärte der Toreador eifrig. "Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis ich..."

"Habt Ihr denn einen konkreten Hinweis auf den Aufenthaltsort der Prinzessin?" erkundigte sich Baltimore kühl.

Der Toreador schien zu schrumpfen. "Nein", mußte er zugeben.

"Dann haltet den Mund." Der Malkavianer sah Icharyd nicht einmal an, als er ihn zurechtwies. "Um die Sache auf den Punkt zu bringen: ich will wissen, wo die Prinzessin ist. Ich habe den Verdacht, daß jemand hier im Raum über ihren Verbleib Bescheid weiß. Und..." Seine Augen schienen Samia zu durchbohren. "Neutralität ist eine gefährliche Sache in Zeiten wie diesen. Ich werde nicht dulden, daß jemand hinter meinem Rücken gegen mich arbeitet. Oder auch offen." Sein Blick wanderte weiter zu Bodhi, der etwas abseits stand und aussah, als ginge ihn das alles nichts an. "Das kannst du gerne deinem Herrn in der Moschee von mir ausrichten."

So allmählich müßte auch dem Letzten hier klar sein, wer in diesem Haus tatsächlich das Sagen hat, kommentierte Madeleine, die interessiert zusah, wie Cesars Gesicht immer finsterer wurde.

Allerdings, gab William lautlos zurück. Ich hätte nicht gedacht, daß er seine Zurückhaltung so schnell aufgibt.

"Ich muß schon sagen, Cesar, du hast deine Gäste ja wirklich hervorragend im Griff." Samias Stimme troff vor Hohn.

"Das reicht jetzt", brüllte der Prinz aufgebracht und sprang von seinem Thron. "Ich werde mich nicht in meinem eigenen Haus zum Narren machen lassen!" Damit machte er einen Satz auf Baltimore zu, der gelassen stehenblieb und ihm mit gelangweilter Miene entgegensah. Im nächsten Moment stand Chai-Lung vor ihm. Cesar konnte nicht mehr ausweichen und prallte mit voller Wucht gegen den Cathayer. Der behielt mühelos das Gleichgewicht, tänzelte einen halben Schritt um den Ventrue herum und begann, ihn zu verprügeln. Cesar hatte keine Chance. Unbarmherzig prasselten Chai-Lungs Schläge auf ihn herab, und für jeden im Raum war deutlich zu sehen, daß der Cathayer mit dem Prinzen spielte.

Cesar ist erledigt, dachte Madeleine, die dem Schauspiel fassungslos zusah. Chai-Lung muß ihn nicht einmal umbringen, nach dieser Demütigung wird er sich niemals als Prinz halten können.

Nein, stimmte William zu, und Madeleine spürte den Abscheu, der ihn bei diesem Anblick erfaßte. Keiner von beiden hatte besonderen Respekt vor Cesar empfunden, aber diese unwürdige Behandlung war dann doch zuviel.

Schließlich war Chai-Lung offenbar der Meinung, genug mit seinem Opfer gespielt zu haben. In einer fließenden Bewegung zog er einen Pflock aus dem Ärmel und stieß zu. Cesar erstarrte. Chai-Lung richtete sich auf, drehte sich um, als sei nichts gewesen, und kehrte in seine Ecke zurück, wo er sich an exakt der selben Stelle niederließ, an der er vorher gesessen hatte.

Baltimore warf einen geringschätzigen Blick auf den Ventrue. Dann hob er ihn hoch wie eine Puppe, trug ihn zu einer Säule, hängte ihn an einem Fackelhalter auf und drapierte ihn sorgfältig wie einen Wandbehang. Schließlich trat er einen Schritt zurück, musterte sein Werk und nickte zufrieden. Ohne sich noch weiter um Cesar zu kümmern, ging er zum Thron und ließ sich darauf nieder. "Prinz Cesar van Dyke hat soeben abgedankt", erklärte er lässig. "Ich werde seine Amtsgeschäfte übernehmen. Und ich wiederhole meine Frage von vorhin ein letztes Mal: Weiß jemand der hier Anwesenden, wo Prinzessin Isabella ist?" Wieder wurden seine Worte von dieser merkwürdigen Ausstrahlung begleitet. Madeleine und William hatten keine Mühe, ihr zu widerstehen, spürten jedoch beide, daß das nicht allein an ihrer Stärke lag. Samias Nähe schützte sie; die Caitiff hatte mit Ärger gerechnet und sich entsprechend vorbereitet.

"Nun gut", knurrte der Malkavianer. "Ich denke, ich habe deutlich gemacht, daß ich es ernst meine. Sollte jemand daran zweifeln..." Er warf einen bezeichnenden Blick auf seine Trophäe an der Säule. "Eins noch. Ab sofort sind Assamiten in dieser Stadt Freiwild. Jeder, der mir den Kopf eines Assamiten bringt, erhält eine Belohnung von hundert Goldstücken."

Madeleine und William erschraken, blieben aber nach außen perfekt ruhig. Azim und Samia beherrschten sich ebenfalls meisterhaft. Madeleine wollte sich lieber nicht ausmalen, was passieren würde, wenn Baltimore merkte, daß "Frédérick" kein Caitiff war. Glücklicherweise schien der neue Prinz aber nicht einmal auf den Gedanken zu kommen, daß ein Assamit es wagen könnte, ihm unter die Augen zu treten. "Die Audienz ist beendet", verkündete er.

Die vier zogen sich rasch, aber ohne auffällige Hast, zurück. In der Sicherheit ihres Hauses angekommen, mußte Samia sich erst einmal mit einem Wutschrei Luft verschaffen. "Was bildet dieser Kerl sich eigentlich ein?" schnaubte sie aufgebracht.

Plötzlich flimmerte die Luft kurz, und eine schwarz verhüllte Gestalt stand im Raum. "Farun ibn Lassat ibn Rashid Ressalk", begrüßte Madeleine ihn, die genau wußte, wieviel Wert die Araber darauf legten, von allen außer guten Bekannten mit ihrem vollständigen Namen angesprochen zu werden. "Gut, daß Ihr hier seid, Ihr solltet unbedingt erfahren, was eben in der Zitadelle vorgefallen ist."

"Ich war da", erklärte der Assamit, und zu ersten Mal schimmerte etwas wie ein Gefühl durch seine kühle Maske. Farun kochte vor Zorn und hielt sich nur mühsam im Zaum. "Ich habe gesehen, was dieser Kerl sich erdreistet hat. Ein Kopfgeld auf uns auszusetzen..."

"Hundert Goldstücke sind eine Menge Geld", bemerkte Madeleine. "Er scheint Euch und Euresgleichen wirklich dringend aus dem Weg haben zu wollen."

Farun nickte. "Allerdings. Und das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit." Er sah die vier durchdringend an. "Unser Handel gilt. Ihr erledigt Baltimore, wir kümmern uns um Chai-Lung. Wie weit seid Ihr mit Euren Vorbereitungen?"

William berichtete ihm, was sie bisher herausgefunden hatten. "Wir wissen allerdings nicht, was Baltimore inzwischen über die roten Werwölfe weiß", schloß er. "Ich glaube nicht, daß er schon bei den Illuminaten in der Bibliothek war. Allerdings denke ich, daß ich alles ausgeschöpft habe, was dort zu finden war."

"Baltimore hat sich nach Aleppo von uns getrennt und ist nach Damaskus weitergereist", erinnerte Madeleine ihn. "Wenn er auf dem direkten Weg weitergezogen wäre, hätte er lange vor uns in Jerusalem sein müssen. Immerhin haben wir einen ziemlichen Umweg gemacht. Er ist aber erst eine Woche nach uns angekommen. Da stellt sich mir die Frage, wo war er inzwischen? Hat er sich so lange in Damaskus aufgehalten, und wenn ja, was hat er dort gemacht?"

"Sehr interessante Fragen, auf die ich vielleicht eine Antwort finden kann", stellte Farun fest und sah Azim an. "Ich werde die Stadt für zwei oder drei Nächte verlassen. Du weißt, wie du mich im Notfall erreichen kannst." Als er Madeleines erstaunten Blick sah, lächelte er kurz. "Ich werde mich in Damaskus umhören. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich erfahren werde, was er dort getrieben hat." Madeleine verzichtete darauf, ihn zu fragen, wie er in zwei oder drei Nächten von Jerusalem nach Damaskus und zurück gelangen wollte. "So, und jetzt entschuldigt mich." Der Assamit warf einen grimmigen Blick zur Zitadelle. "Ehe ich abreise, muß ich dem neuen Prinzen noch eine Lektion erteilen. Cesar ist ein jämmerlicher Weichling, aber trotzdem ist das keine Art, mit einem besiegten Gegner umzugehen. Ich werde Prinz Baltimore seine Trophäe wegnehmen, dann wird er sich vielleicht überlegen, ob es so weise war, unseren Clan für vogelfrei zu erklären." Ohne eine Antwort abzuwarten, verschwand er vor ihren Augen.

Azim zählte leise vor sich hin. Als er bei "zwanzig" angekommen war, schlenderte er gemütlich zum Fenster, von wo aus man gerade noch die Wehrgänge der Zitadelle sehen konnte.

"Was ist denn?" wollte William wissen. Azim grinste nur und winkte ihn heran. Neugierig trat der Ventrue an seine Seite - gerade noch rechtzeitig, um einen plötzlichen Ausbruch hektischer Aktivität auf den Zinnen zu beobachten. Wachen mit Fackeln liefen aufgeregt durcheinander, und alles sah nach Alarmzustand aus. William grinste. "Dein Meister verliert nicht gerne Zeit, nicht wahr?"

Azim zuckte die Schultern. "Wozu auch? Inzwischen ist er wahrscheinlich schon gar nicht mehr in der Burg, die können dort oben lange nach ihm suchen."

"Wie gehen wir weiter vor?" fragte Samia, die sich inzwischen soweit beruhigt hatte, daß sie wieder zusammenhängende Sätze herausbrachte.

"Wir brauchen Verbündete", stellte Madeleine fest. "Baltimore ist niemand, der sein Gefolge zu besonderer Loyalität motiviert. Wir sollten uns überlegen, wen von Cesars ehemaligem Hofstaat wir eventuell auf unsere Seite bekommen können."

"Tarnesh", sagte William sofort. "Du meintest doch, er sei käuflich?"

Samia nickte. "Für Geld tut der alles, und für Wissen noch mehr. Sein besonderes Interessengebiet sind Schutzkreise und -zeichen, wenn ihr ihm da etwas anbieten könnt..."

"Nein", meinte Madeleine enttäuscht. "Damit kennt sich keiner von uns wirklich aus."

"Aber wir kennen jemand, der sich auskennt", rief William, einer plötzlichen Eingebung folgend. Madeleine sah ihn fragend an. "Bologna", fügte er hinzu. "Erinnerst du dich an den Priester und seine Bibliothek?"

"Natürlich. Du hast recht, wenn wir ihm davon erzählen... ob und wie er mit dem Priester einig wird, ist seine Sache."

"Der Mann hatte schon Kontakt zu Tremere", meinte William nachdenklich. "Diese Gargoylen in der Kirche..."

"Gut, also Tarnesh kriegen wir vielleicht" stellte Azim fest. "Wen noch?"

"Icharyd", schlug Madeleine vor.

"So gierig, wie er nach diesem Dolch ist?" fragte Samia zweifelnd.

"Man muß ihm eben etwas bieten, das für ihn mindestens so wertvoll ist wie der Dolch." Ein Ausdruck von Bedauern huschte über ihr Gesicht. "Ich denke, ich habe etwas, das ihn interessieren könnte, aber es schmerzt mich, mich davon zu trennen." Als Samia sie verständnislos ansah, fügte sie erklärend hinzu: "Ich besitze ein Kleid, das von einem Toreador in Konstantinopel angefertigt wurde. Ein echtes Kunstwerk."

"Und du meinst, das könnte ihn reizen?" Die Caitiff war nicht überzeugt.

Madeleine zuckte die Schultern. "Ich war neulich mit dem Kleid bei ihm. Er hat mich eine Viertelstunde lang nur angestarrt, ohne ein Wort zu sagen."

"Perfekt", stellte Samia fest und grinste. "Weitere Kandidaten?"

"Was ist mit Bodhi?" fragte Madeleine, aber William schüttelte sofort den Kopf.

"Vergiß Bodhi", sagte er und erzählte Samia und Azim, was ihm der Geist gezeigt hatte.

"Schlecht", kommentierte Samia finster. "Sehr schlecht. Wenn Khosann den Knochenthron der Nosferatu in seiner Gewalt hast, können wir Bodhi tatsächlich vergessen."

"Was hat es mit diesem Thron auf sich?" wollte Madeleine wissen.

"Wer den Thron kontrolliert, kontrolliert die Nosferatu", erklärte die Caitiff. "Genaueres weiß ich auch nicht, die Nosferatu sind begreiflicherweise sehr darauf bedacht, ihre Geheimnisse zu wahren." Sie schüttelte ärgerlich den Kopf. "Ich hatte gedacht, ich wäre die einzige außerhalb des Clans, die überhaupt von seiner Existenz gehört hat."

"Damit haben wir Tarnesh und Icharyd als mögliche Verbündete, und Bodhi auf der Gegenseite", faßte Azim zusammen.

"Und Wirko", ergänzte William trocken. "Baltimores neuer Schoßhund."

"Richtig." Madeleine überlegte. "Was haltet ihr von Lucela von Hohenfels? Sie dürfte mit Sicherheit nicht gerade erfreut sein, daß Baltimore ihren Erzeuger auf diese Art und Weise blamiert und kaltgestellt hat."

"Probieren können wir es. Und ich fürchte, damit haben wir unsere potentiellen Helfer schon zusammen."

"Was ist mit den beiden Kappadozianerinnen auf dem Friedhof?" fragte Madeleine plötzlich. "Sie werden sich in diese Sache mit Sicherheit nicht einmischen wollen, aber glaubt ihr wirklich, sie könnten Baltimore ernsthaft Widerstand leisten, wenn der beschließt, daß man entweder für oder gegen ihn ist?"

Samia blicke plötzlich sehr besorgt drein. "Auf keinen Fall. Du hast recht, die beiden müssen auf jeden Fall gewarnt werden. Am besten, sie tauchen für eine Weile ab." Sie seufzte. "Ich werde mich darum kümmern. Sie werden sich in ihre Gruft verkriechen, dort sind sie sicher. Und vermutlich werden sie für die nächsten Jahre in Starre verfallen."

"Für die nächsten Jahre?" fragte William erstaunt. "So lange werden wir hoffentlich nicht brauchen, um hier Ordnung zu schaffen."

Samia hob die Schultern. "Sicher nicht, aber wenn die beiden sich erst einmal zurückgezogen haben... wie auch immer, ich werde dafür sorgen, daß sie gut untergebracht sind."

"Und wir verhandeln mit unseren potentiellen Verbündeten", meinte Madeleine.

William nickte zustimmend und erhob sich. "Das wird morgen eine anstrengende Nacht werden", meinte er. "Was hältst du davon, wenn wir nach Hause gehen und noch ein wenig Kraft sammeln? Heute erreichen wir ohnehin nichts mehr."

"Kraft sammeln klingt gut", fand Madeleine. "Ich fühle mich ziemlich müde."

Er fühlte, daß das sehr nah an der Wahrheit war, und das machte ihm Sorgen. Madeleine hatte sich in den letzten zwei, drei Nächten anscheinend mehr verausgabt, als sie ihn spüren lassen wollte. Er tastete vorsichtig nach ihrem Geist und sandte ihr ein sanftes, warmes Gefühl.

Madeleine lächelte. "Laß uns gehen", sagte sie.

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